Info über das Projekt  |  Info über Projektteilnehmer  |  Aktuell  |  Sponsoren  |  Kontakt  | 
         

search Suche
 

Startseite


       Das Projekt Vertrieben aus Warschau 1944 - Kinderschicksale befasst sich mit der Geschichte der Vertreibung der Warschauer Zivilbevölkerung zwischen August und Oktober 1944, unter besonderer Berücksichtigung der Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahren. Keine europäische Stadt hat während des Zweiten Weltkrieges so gelitten wie Warschau und seine Bewohner. Der Höhepunkt des Kampfes war der Warschauer Aufstand im Jahre 1944.
 Am 1. September 1939 marschierte das Deutsche Reich, ohne Krieg erklärt zu haben, in Polen ein und entfachte damit den Zweiten Weltkrieg. Die polnische Armee versuchte die Unabhängigkeit zu verteidigen, obwohl sie völlig allein gegen einen viel stärkeren Feind kämpfen musste. Am 3. September erklärten Polens Verbündete - Großbritannien und Frankreich - Deutschland den Krieg, sie kamen Polen aber militärisch nicht zur Hilfe.
 Am 17. September überschritt die sowjetische Armee die östliche Grenze Polens und brach damit den bisherigen Nichtangriffspakt. Der kurz vor dem Krieg geschlossene deutsch-sowjetische Pakt Ribbentrop - Molotow plante in einem geheimen Zusatzprotokoll die vierte Teilung Polens.
 Im Gefecht gegen zwei starke Nachbarn hatte Polen keine Chance. Die letzten Kämpfe des September-Feldzuges (kampania wrześniowa) dauerten bis zum 5. Oktober 1939. 
 Es begann die über fünfjährige Besatzungszeit. Laut Hitlerdekret vom 8. Oktober wurden die Nord- und Westteile Polens in das Deutsche Reich eingegliedert. Aus dem Mittelteil Polens schufen die Deutschen das sogenannte "Generalgouvernement". Die Ostteile Polens (die Hälfte der Staatsfläche) wurden der Sowjetunion einverleibt. Mit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion im Juni 1941 besetzten die Deutschen das gesamte Gebiet Polens. 
 Einer der ersten Beschlüsse der neuen deutschen Verwaltung war das Verbot des Wiederaufbaus Warschaus - als Strafe für dessen hartnäckige Verteidigung (bis zum 27. September). Die Hauptstadt Polens, die vor dem Krieg über 1 300 000 Einwohner zählte, sollte zu einer Provinzstadt werden.
 Die Besatzer zerschlugen die polnische Verwaltung wie auch den größten Teil der sozialen Organisationen sowie der Bildungs- und Kultureinrichtungen. Die Hochschulen wurden geschlossen, das mittlere Schulwesen war begrenzt auf die Berufsschulen. 
 Die Besatzungsbehörden errichteten eine willkürliche Terrorherrschaft. Die gesamte Bevölkerung wurde Ziel von Vergeltungsmaßnahmen. Zum Symbol der Allmacht der deutschen Polizei wurde der Sitz der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der Szucha-Allee, wo die Gefangenen gefoltert wurden.
 Zum Alptraum der Warschauer wurden die Straßenrazzien - auf polnisch łapanka. Die deutschen Besatzer griffen willkürlich Menschen auf der Straße auf, umstellten Versammlungsorte oder Kirchen und deportierten sofort alle Gefangenen als Zwangsarbeiter ins Reich oder in die Konzentrationslager.
 Die Warschauer Juden, die 30% der Stadtbevölkerung bildeten, litten besonders unter den Besatzern. Sie wurden im Ghetto eingeschlossen. Ab Juli 1942 deportierten die Deutschen 300 000 Warschauer Juden in das Vernichtungslager Treblinka.
 Die am Leben gebliebenen Juden griffen zu den Waffen. Am 19. April 1943 brach der Aufstand im Warschauer Ghetto aus - ein verzweifelter Kampf gegen einen übermächtigen Gegner. Innerhalb eines Monats lösten die Deutschen das Ghetto endgültig auf und machten es dem Erdboden gleich. 
 Nach der Niederschlagung des Ghetto-Aufstandes verstärkten die Deutschen die Repressalien gegen die restliche Bevölkerung. Es kam zu Massenhinrichtungen, die aber den seit Anfang des Krieges andauernden Widerstand in der polnischen Gesellschaft nur noch verstärkten. Im Jahre 1943 zählte die militärische Widerstandsorganisation Heimatarmee (Armia Krajowa - AK) 380 000 Soldaten in ganz Polen. Während der ganzen Besatzungszeit funktionierte der Polnische Untergrundstaat: Parlament, Gerichte sowie das Schulwesen mit einem breiten Angebot der Geheimschulen. Alle wichtigeren Widerstandorganisationen, sowohl politische als auch militärische, hatten ihren Sitz in Warschau. Die Hauptstadt war auch Stützpunkt für Partisanen aus dem ganzen Land. Man schätzt, dass ca. 25% der erwachsenen Warschauer aktiv in der Widerstandbewegung tätig war.
 Ursprünglich plante die Heimatarmee (AK) keine militärische Befreiung Warschaus. Aber nach den verhängnisvollen Erfahrungen, die sie im Sommer 1944 mit den sowjetischen Besatzern in den östlichen Gebieten Polens gemacht hatte (Verhaftung der AK- Mitglieder und Verschleppung nach Sibirien), fiel eine andere Entscheidung. Die Heimatarmee wollte Warschau von der deutschen Besatzung befreien. So sollte die vorrückende Rote Armee Warschau als befreite Hauptstadt vorfinden. Dies schien die letzte Möglichkeit zu sein, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die Unabhängigkeitsbestrebungen des polnischen Volkes zu lenken. 
 Am 1. August 1944 um 17 Uhr nahmen die schlecht ausgerüsteten Truppen der Heimatarmee, die ca. 25 000 Soldaten zählten, den Kampf mit den deutschen Besatzern auf, die in Warschau fast 20 000 Soldaten stationiert hatten. Der Warschauer Aufstand hatte begonnen.
 Die internationale Situation führte dazu, dass die Polen in diesem ungleichen Kampf keine Unterstützung erhielten. Stalin ließ absichtlich die Offensive der Roten Armee, die am rechten Weichselufer stand, stoppen. So erleichterte er den Deutschen die Niederschlagung des Aufstandes. Die passive Einstellung der Alliierten, die sich schon auf der Konferenz von Teheran Ende 1943 auf neue polnische Grenzen geeinigt hatten, hat zur Vernichtung Warschaus beigetragen.
 Nach ersten Erfolgen der Aufständischen mobilisierten die Deutschen schnell zusätzliche Kräfte, um den Aufstand niederzuschlagen. Dem Befehl von Adolf Hitler und dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler nach sollte jeder Warschauer Einwohner getötet werden. Das SS-Sonderkommando von Oskar Dirlewanger veranstaltete in dem Wohnviertel Wola ein Blutbad, bei dem auch Frauen und Kinder nicht verschont wurden. Bei Hinrichtungen in diesem Wohnviertel kamen innerhalb weniger Tage über 40 000 Menschen ums Leben. Die 29. Waffen-Grenadier-Division der SS RONA (Russkaya Osvoboditielnaya Narodnaya Armia - Russische Volksbefreiungsarmee) beging bestialische Morde an den Bewohnern des Wohnviertels Ochota.
 Die Menschen, die am Leben geblieben waren, wurden von den Deutschen aus den besetzten Stadtteilen vertrieben und in das Durchgangslager Pruszków bei Warschau verschleppt.
 In der Zwischenzeit bildeten sich in den befreiten Wohnvierteln trotz extremer Bedingungen erste Strukturen des freien Polens.
 Die Untergrundverwaltung nahm die Arbeit auf, die Post funktionierte, es gab eine freie Presse (über 150 Titel). Die Radiostation der Aufständischen "Błyskawica" (?Blitz") und das Polnische Radio gingen auf Sendung. Man organisierte eine Kinder-, Flüchtlings- und Brandopferbetreuung. Dank der Welle der Begeisterung meldeten sich immer neue kampfbereite Freiwillige.
 Doch die Deutschen bombardierten die Stadt und verwandelten die Häuser in Ruinen. Unter den Trümmern kamen Tausende Menschen ums Leben. Nach 63 Tagen des Kampfes gegen den militärisch überlegenen Feind mussten die Aufständischen aufgeben.
 Während des Kampfes sind ca. 18 000 Aufständische gefallen, mindestens 150 000 Zivilisten wurden getötet. Auf der deutschen Seite gab es ca. 17 000 Tote oder Verschollene.
 Die Aufständischen, die am Leben geblieben waren, kamen in Kriegsgefangenenlager, wie es im Kapitulationsvertrag vom 2. Oktober 1944 festgelegt war. Unter ihnen gab es auch jugendliche Soldaten unter 15 Jahren.
 Die Zivilbevölkerung, die bis Ende des Aufstandes im Zentrum der Stadt ausgeharrt hatte, wurde vertrieben und war ihrem weiteren Schicksal ausgesetzt.
 Zwischen dem 6. August und 10. Oktober 1944 wurden im Lager in Pruszków insgesamt 550 000 Menschen aus Warschau und 100 000 aus der Umgebung Warschaus gefangengehalten. Von dort aus wurden 150 000 Menschen zur Zwangsarbeit nach Deutschland und 50 000 direkt in die Konzentrationslager deportiert. Die Verletzten oder nicht Arbeitsfähigen wurden in verschiedene Ortschaften im Generalgouvernement transportiert.
 Im leeren Warschau begannen die Deutschen systematisch die noch erhaltenen Gebäude zu vernichten und zu verbrennen. Sie erfüllten damit Hitlers Befehl, dass Warschau dem Erdboden gleich gemacht werden solle.
 Man schätzt, dass Warschau während des Zweiten Weltkrieges zu 85% vernichtet wurde.

 Zurück...


 
Zusätzliche Dokumente
         
 
search Suche
 
   

Copyright © Muzeum Warszawy :: 2007

   
  Das Projekt ist vom Museum der Stadt Warschau in der Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv der Stadt Warschau und der deutschen Stiftung niederschsischen Gedenkstätten realiziert