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Bericht von Wiktoria Adamus


     Während des Warschauer Aufstandes war ich sieben Jahre alt.
     Eines Tages hörte ich kräftiges Pochen an das Tor. Der Hausmeister machte auf. Das waren deutsche Soldaten. Sie versicherten uns, den Luftschutzkeller nicht mit Benzin begossen zu haben und versuchten uns hineinzutreiben. Da aber niemand in den Keller wollte, brachten sie uns in die Nähe der Visitinnenkirche in der Krakauer Vorstadt (Stra?e in Warschau). Da stand schon eine Menschenmasse. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie viele Menschen es dort gab, ich wei? nur, dass die ganze Krakauer Vorstadt von der Visitinnenkirche bis zur Heiligen-Kreuz-Kirche voll war. (...) Ich erinnere mich noch an die Panzer, die die Visitinnenkirche umgaben. Einer von ihnen wurde von den Aufständischen in Brand gesetzt. Es herrschte ein gro?es Durcheinander, die Deutschen waren völlig verwirrt. Die Mutter nahm mich und meinen neunjährigen Bruder an der Hand und begann zu fliehen. Wir bogen in die Królewskastra?e ab. Vom dritten Stock eines nahe gelegenen Hauses begannen die Deutschen auf uns zu schie?en. Es gelang uns aber, uns in den Trümmern zu verstecken. Daran, was sich weiter ereignete, erinnere ich mich nicht mehr. Ich wei? nicht einmal, wann eine ziemlich zahlreiche Gruppe von Menschen, ungefähr 20-30 Personen, sich uns anschloss. Wir begaben uns in Richtung des gegenwärtigen Piłsudski-Platzes und des Sächsischen Parks. Hier kämpften ukrainische Banden, die die Deutschen unterstützten. Da wir mit Granaten beworfen und beschossen wurden, mussten wir auf allen vieren kriechen. Plötzlich sprangen zwei ranghöhere Ukrainer auf uns zu und forderten unsere Uhren und Ringe. Sie raubten alles, schlugen sogar Goldzähne aus den Kiefern aus. Müde und schmutzig gelangten wir zu den Mirowska-Markthallen. Die Ukrainer lie?en uns unser Gepäck auf den Boden werfen. Meine Mutter wurde aus der Gruppe herausgezogen und angeblich als Geisel genommen. Ich lief auf sie zu und weinend kuschelte ich mich an sie. Sofort richtete ein Ukrainer seine Waffe auf mich. Als er im Begriff war, mich zu erschie?en, wurde ich in die Menschenmasse hineingezogen. Jemand legte mir die Hand auf den Mund, damit ich nicht schreien konnte. Aus Ärger schoss der Ukrainer in die Luft und befahl uns, vorwärts zu laufen. Wir liefen so schnell wir konnten. Ich erinnere mich an den Staub, Rauch und die Häuser, die hintereinander einstürzten. Meine Augen tränten, die Rauchwolken verschlugen mir den Atem. (...) Hungrig und durstig krochen wir auf allen vieren an einer Mauer vorbei, nach einem Versteck suchend. Plötzlich sah ich einen Soldaten in der deutschen Uniform, der mir mit der Hand winkte. Ich zögerte, weil ich Angst hatte. Au?erdem hätte ich auf die andere Stra?enseite gehen müssen. Aber die Nachbarin, Frau Czugalinska lie? mich gehen.-?Geh, alle haben Hunger, und er gibt dir eine Scheibe Brot. Wenigstens haben wir so viel davon". Ich ging, und eigentlich kroch auf allen vieren und bekam eine Konservenbüchse und ein Viertel Brot. Das war die Mahlzeit für zehn Personen. Das geschah in Wola (Stadtteil in Warschau), an den Stra?ennamen kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. Die Nacht verbrachten wir in einem Tor, das ich mit meinem Bruder zusammen ab und zu verlie?, um die Kugeln, die die Luft durchschnitten, zu beobachten. (...) In einer Nacht schlief mein Bruder sehr unruhig. Gegen 4 Uhr morgens rüttelte er mich am Arm und sagte: "Es ist egal, wo wir ums Leben kommen, bleiben wir nicht in diesem stinkigen Tor, gehen wir lieber nach drau?en". Unwillkürlich folgte ich ihm, die anderen Drei kamen auch mit. Frau Czugalińska schimpfte: "Verdammte Rotzbengel laufen herum!" Was weiter geschah, wei? ich nich mehr. Ich erinnere mich nur an die Dunkelheit. Ich erwachte an einem Verbandsplatz. Ich lag auf einem Tisch, auf dem zweiten sah ich einen Mann, aus dessen Rücken eine Kugel herausgenommen wurde. Gerade als wir das Tor verlie?en, explodierte das ganze Haus, das vermint war. Die Menschen, die im Tor waren, wurden zurückgeworfen, die anderen blieben unter den Trümmern. Nachts brachte eine Frau ein Kind zur Welt. Das Kind wurde gerettet, die Mutter starb.

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