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Bericht von Roman Rechnio


  Bericht von Roman Rechnio

Roman Rechnio
geb. am 2.08.1929 in Warschau
Adresse während des Krieges: Solec Strasse 113 Wohnung 24

     [...] Schlechte Nachrichten traten ein. Stadtviertel Powiśle ging unter, die Nazis eroberten das Energiewerk Powiśle, die Aufständischen zogen sich ins Stadtzentrum zurück, und wir wurden am 4. September 1944 am Morgen aus unseren Häusern vertrieben und durften nichts mitnehmen. Wir Powiśle Bewohner wurden zum weit gelegenen Pruszków, in ein Übergangslager, getrieben. Es waren schreckliche Momente für uns. Auf dem Weg kamen wir an Plätzen und Grünflächen vorbei, die voll von Gräbern waren (in Warschau sind während des Warschauer Aufstandes 200 Tausend Menschen ums Leben gekommen) und die ganze Stadt brannte. In Pruszków teilte der Haupthilfsrat (Rada Główna Opiekuńcza - RGO) Lebensmittel und Arzneien aus. In diesem Lager, welches sich in den Reparaturwerken des Eisenbahnwagenparks befand, passierten schreckliche Sachen. Man suchte nach seiner Verwandtschaft, Weinen und Gejammer des Verwundeten klangen überall. 
     Am nächsten Tag wurden wir durch die die Nazis aufgeteilt. Meine ältere Schwester wurde zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt und ich mit meinen alten, kranken Eltern wurde zu den Güterwaggons geschleppt und nach Sochaczew in der Nähe von Warschau (54 Km) hinausgefahren. Von dort aus wurde ich nach Nowa Wieś, Gemeinde Rybno bei Sochaczew weiter geschickt. Dort wurde ich auch am 18. Januar 1945 "befreit" und die polnische Armee passierte die Front. Am nächsten Tag machte ich mich mit meinen Eltern auf den Weg nach Warschau. Unser Haus war leider ausgebrannt und wir mussten in den Ruinen Unterschlupf suchen. So fanden wir mit Mühe Unterkunft in einer kleinen Küche in dem zerstörten Haus in der Sienna Str. 46/7. Um zu überleben und sich um meine alten Eltern kümmern zu können, musste ich als 14 jähriger Junge anfangen zu arbeiten. 
     Ich verkaufte im zerstörten Warschau Zeitungen und rief an der Kreuzung Marszałkowska Straße und Jarozolimskie Allee (heute gibt es dort Wegweiser und U-Bahnstation Centrum) für private Transportunternehmer (Fuhrwerke, Lastwagen) Passagiere zur Fahrt auf. Am Anfang fanden diese Transporte mit Pferdefuhrwerken über die Pontonbrücke zum Stadtviertel Praga statt und dann über die Holzbrücke, die von den Sappeuren gebaut wurde (sog. "Hochwasserbrücke"), da alle Brücken in Warschau von den Nazis gesprengt wurden.
     Ich rief: "Richtung Praga, Richtung Targowa Straße. Noch zwei Damen und wir fahren ab." oder "Nach Radom in Richtung Radom". Auf diese Art und Weise verdiente ich bei den Fuhrunternehmern.
     Ich verkaufte auch Zeitungen. Ostern im zerstörten Warschau nahten und so schrie ich kurz vor den Feiertagen:
     "Die allerletzte Zeitung für die Feiertage, die Redaktion ist geschlossen, der Redakteur ist betrunken und hat kein Papier gekauft, es gibt heute keine Zeitungen mehr." (?ostatnia gazeta na święta, redakcja zamknięta, redaktor się upił, papieru nie kupił, gazet dziś brak").

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