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Der Warschauer Aufstand 1944


     Der Warschauer Aufstand war einer  der größten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Der zwei Monate lang dauernde Kampf der alleine gelassenen Hauptstadt gegen die Militärmacht des III Reiches, angesichts der Gleichgültigkeit der am Stadttor stehenden Roten Armee und der spärlichen Hilfe der westlichen Alliierten, wurde zu einem einmaligen Ereignis nicht nur in der polnischen Geschichte, sondern auch in der Geschichte Europas.
     Am 31. Juli 1944 setzten der Befehlshaber der Armia Krajowa (Abkürzung AK, Polnische Heimatarmee) General Tadeusz "Bór" Komorowski, der Kommandant des Warschauer Kreises der AK und Oberst Antoni Chruściel "Monter" mit der Unterstützung von Stanisław Jankowski, des Regierungsvertreters im Inland den Termin des Aufstandausbruchs auf den 1. August um 17.00 Uhr fest. Ein spektakulärer Erfolg in der Stunde "W" war die Einnahme des höchsten Gebäudes der Stadt: des Prudential. Auf dem Dach flatterte bald die weiß-rote Fahne. Leider waren die meisten Sturmangriffe am ersten Aufstandstag nicht erfolgreich. Die Versuche, das Polizeiviertel in der Schuchallee und den Flughafen in Okęcie einzunehmen, wurden mit bedeutenden Verlusten bezahlt. Auch die Brücken wurden nicht erobert. Der Aufstand im Stadtteil Praga brach schnell zusammen.
     Nichtsdestoweniger erzielten die Aufständischen in nächsten Tagen mehrere Erfolge. Erobert wurden die Hauptpost in der Napoleonstrasse (heutzutage Platz der Warschauaufständischen) und der Postbahnhof in der Jerozolimskieallee. Das gesamte Kraftwerkgelände im Stadtteil Powiśle und das Gebäude der Staatlichen Wertpapierfabrik wurden ebenso eingenommen. Am Besten wussten sich die Abteilungen von Kedyw unter dem Befehl von Oberstleutnant Jan Mazurkiewicz "Radosław" zu helfen. Am 5. August eroberte das Bataillon "Zośka" das Konzentrationslager in "Gęsiówka" und befreite 350 Juden.
     Die Deutschen mobilisierten schnell zusätzliche Kräfte, um den Aufstand niederzuschlagen. Ein Speziellkorps unter dem Kommando des SS Generals Erich vom Bach wurde gebildet. Die von Oskar Dirlewanger befehligte Kriminellenbrigade, die zur Befriedung der Zivilisten geschickt wurde, richtete ein Massaker im Stadtteil Wola ein. Bei Exekutionen in diesem Stadtteil kamen innerhalb nur ein paar Tagen über 40 000 Menschen ums Leben. Die RONA Kollaborationsabteilungen (Russkaja Oswoboditielnaja Narodnaja Armia) unter dem Kommando des SS Generals Kamiński begingen grausame Bluttaten. Laut Befehl von Adolf Hitler und dem SS und Polizeibefehlshaber Heinrich Himmler sollte jeder Stadteinwohner umgebracht werden. Bis zum 11. August wurden die Stadteile Wola und Ochota ganz vom Feind erobert.
     In den befreiten Stadtvierteln wurden inzwischen, trotz extremer Bedingungen, Strukturen des freien Polens gebildet. Am 2. August wurde die erste Auflage von "Biuletyn Powstańczy" (?Aufstandsbulletin") - des Presseorgans der AK herausgegeben. In der Aufstandzeit wurden über 150 Pressetitel herausgegeben, darunter zwei Kinderzeitschriften.
     Zivile Behörden offenbarten sich und gaben Empfehlungen zu provisorischen Begräbnissen. Sie schrieben auch vor, das ehemals deutsche Eigentum sicher zu stellten und verbaten Selbstjustiz. Ausnahmegerichte und Sicherheitskräfte arbeiteten im Offenen. In bestimmten Patrizierhäusern taten die OPL Vertreter (Flugabwehrkräfte) und Ordnungskräfte Dienst - genauso wie im September 1939. Es herrschte eine große Begeisterung, Zivilisten fingen an, Barrikaden und Kellerdurchgänge zu Nachbarhäusern zu bauen. Die Menschen teilten ihre Vorräte miteinender, organisierten füreinander Kinderaufsicht, halfen den Flüchtlingen aus den von den Deutschen besetzten Stadtteilen und den Brandopfern.
     Seit den ersten Aufstandstagen funktionierte die Pfadfinderfeldpost. Briefträger waren Jungen aus der jüngsten Pfadfinderformation, meistens im Alter von 12 bis 15 Jahre. Mit der Post erreichten sie nicht nur Zivilisten, sondern auch die Frontabteilungen, selbst die an den weitesten Posten. Trotz extremer Umstände galt grundsätzlich, dass in Śródmieście (Zentrum von Warschau) ein Brief an demselben Tag geliefert wurde, an dem er abgeschickt worden ist. Ab 2. September zeigten sich auf den Briefen die ersten Aufstandsbriefmarken. 
     Der erste aufständische Sender "Błyskawica" (der Blitz) und Polskie Radio (Polnischer Rundfunk) strahlten ihre Sendungen aus. Die noch im Untergrund ausgebildeten Gruppen von Filmemachern und Fotographen machten sich an die Arbeit. Die Filmchroniken, die dreimal im Kino "Palladium" in der Złota Straße gezeigt, wurden durch das Publikum mit großem Beifall begrüßt. Fotographisch festgehalten wurde die Aufstandshauptstadt von Sylwester "Kris" Braun, Joachim Joachimczyk, Jerzy Chojnacki oder sogar dem berühmten Sportler und Olympiasieger Eugeniusz Lokajski, der am 25. September fiel.
     In vielen Stadtpunkten wurden Akademien und Konzerte organisiert, an denen berühmte Warschauer Schauspieler teilnahmen. Ein großer Erfolg waren die von Mieczysław Fogg und Mira Zimińska gesungenen Lieder. In Powiśle gab es auch ein Puppentheater.
     Die Begeisterungswelle brachte viele Freiwillige Aufständische mit. Die Aufstandsreihen wurden immer größer, aber es fehlte an Waffen. Die Waffen, die von den Alliierten abgeworfen wureden, reichten trotz der Hingabe polnischer, britischer und südafrikanischer Piloten nicht aus.
     Zur Hilfe eilten die Partisanenabteilungen aus dem Kampinos Urwald, die den Stadtteil Żoliborz unterstützten. Im Stadtteil Mokotów kämpfte sich die Kompanie "Krawiec" aus dem Chojnowski Wald durch. Die Situation in Śródmieście verbesserte sich in der zweiten Augusthälfte, nach den geschickt durchgeführten Aktionen. Am 20. August wurde das PAST Gebäude in der Zielna Straße eingenommen, drei Tage später die Kirche des Hl. Kreuzes und das Polizeipräsidium in Krakowskie Przedmieście Straße (Krakauer Vorstadt). In beiden Fällen gewannen die Aufständischen viele Waffen und Munition. 
     Legendär wurde der heroische Kampf der abgeschnittenen Starówka (Altstadt). In heftigen Kämpfen um jedes Gebäude und jedes Stockwerk erlitten beide Seiten bedeutende Verluste. Die Aufstandsschanzen PWPW und in der Polnischen Bank in der Bielańska Straße wurden mit Hingabe verteidigt. Der Dom des Hl. Johannes wurde mehrmals von den Deutschen eingenommen und dann von den Aufständischen zurückerobert. Im Feuergefecht wurden die altstädtischen Patrizierhäuser zu Trümmern. Kein Haus blieb stehen. Die Verteidiger der Altstadt legten ihre Waffen nicht nieder. Am 2. September zogen sie sich ins Śródmieście zurück. Da es unmöglich war, die Straßen zu benutzten, gingen sie durch die Kanäle. Ein tragisches Ende erlitten die verletzten Aufständischen, die in den Altstadtkrankenhäusern zurückgelassen wurden. Viele von ihnen wurden von den Deutschen ermordet und verbrannt. Auch die in die engen Keller gedrängten Zivilisten litten unvorstellbare Qualen. Die, die dort glücklicherweise Schutz vor den Bomben fanden, wurden Opfer von Plünderungen und Vergewaltigungen.
     Nachdem die Altstatt gefallen war, stürmten die Deutschen Powiśle, das sie am 6. September eroberten. Die Situation wurde kritisch. Die Aufständischen konnten nur mit Mühe den Feind aufhalten, der Śródmieście aus der Richtung Nowy Świat angriff.
     Zur selben Zeit kam die Front an der anderen Weichselseite in Bewegung. Am 14. September eroberte die Sowjetische Armee mit Unterstützung der 1. Polnischen Armee den Stadtteil Praga. Dies weckte bei den Bewohnern Warschaus die Hoffnung, dass die lang erwartete Hilfe kam. Zwei Tage später bezwangen, auf Befehl des Marschalls Rokossowski, die ersten Soldaten von General Berling die Weichsel. Sie drangen in den vom Śródmieście abgeschnittenen Stadtteil Czerniaków ein, den die Aufständischen heftig verteidigten. Weitere Überquerungen im Feuer der deutschen Artillerie und Maschinenwaffen endeten mit einer Niederlage, genauso wie der Versuch, den Brückenkopf in Żoliborz zu erobern. Für Stalin war das ausschließlich ein Propagandaeinsatz. Eine Demonstration des guten Willens, als das Schicksal des Warschauer Aufstandes schon entschieden war.
     Die Herzen der Bewohner Warschaus füllten sich noch einmal mit Hoffnung, als sie am 18. September über Warschau amerikanische Flugzeuge sahen. Leider war es aber keine Truppenlandung, wie man anfangs vermutet hatte, sondern Waffenbehälter, von denen die Meisten auf Gebiete fielen, die sich schon unter deutscher Kontrolle befanden. Die Hilfe kam zu spät.
     Am 23. September endeten die letzten Kämpfe in Czerniaków. Am 27. September kapitulierte Mokotów. Der in seinen Folgen tragische Rückzug durch die Kanäle nach Śródmieście forderte viele Opfer. Die Deutschen warfen Handgranaten und Karbid in die Kanäle. Die Ausdünstungen verursachten bei den Menschen Halluzinationen und Nervenzusammenbruch. Viele hatten keine Kraft mehr und ertranken.
     Bis 30. September verteidigte sich Żoliborz. Der allein gebliebene Stadtteil Śródmieście entschied sich, den Kampf abzubrechen. 
     Nach den einige Tage dauernden Verhandlungen unterzeichnete das Kommando der Polnischen Heimatarmee am 2. Oktober den Kapitulationsakt. In den Kämpfen fielen 18 000 der Aufständischen, die Verluste an der Zivilbevölkerung betrugen mindestens 150 000 Tote. Die Verluste an der deutschen Seite betrugen ca. 17 000 Tote und Vermisste. Die am Leben gebliebenen Aufständischen wurden laut des Kapitulationsakts in Gefangenenlager transportiert. Die Zivilisten wurden gezwungen, Warschau zu verlassen und ein bitteres Los erwartete sie.

 

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