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Bericht von Wacława Połomska


     Am 2. Februar wurde das Lager in Grupia unter Artilleriefreuer genommen. Es kam zu einem Unglück. Ein von den Geschoßen stürzte in unsere Baracke hinein und verletzte fünf Peronen schwer. Unter anderem wurde dem Sohn von Frau Jabłonka der Fuß abgerissen. Wir versteckten uns in den Bunkern, wo wir ein paar Tage verbrachten. In der Nähe brummte die Front. Dann kamen die Deutschen wieder und um 10. Februar trieben sie uns weiter in die Richtung Świecie. Am Abend blieb die Menschenkolonne in einem Dorf neben dem Wald stehen. In der Nacht, in unmittelbarer Nähe von diesem Dorf fing die fürchterliche Schießerei an. Das Glas fiel aus den Fenstern heraus. Das Haus, in dem wir uns aufgehalten haben,betrat ein junger russischer Soldat, fast ein Kind und gleich danach ein älterer Soldat. Obwohl noch überall die Schüße zu hören waren, habe ich gespürt, dass die Feiheit und Ende der deutschen Herschaft gekommen sind. Die russischen Soldaten fragten, ob es im Haus deutsche Soldaten gibt. Sie interessieten sich auch für den Mann, der mit uns war. Das war ein italienischer Kriegsgefangene - Ben Rocco, der sich in die Menschenmasse eingemischt hat und mit uns weiter gegangen ist. Die russischen Soldaten wollten ihn mitnehmen, aber es gelingt uns, denen zu erklären, daß er kein Deutscher, sondern ein italienischer Kriegsgefangene ist. Man ließ ihn dann also in Ruhe. 
     Frühmorgen ließen uns die Russen das Dorf verlassen und in die Richtung Bydgoszcz gehen. Im Wald, neben dem Dorf, lagen viele Leichen von den deutschen Soldaten. Wir gingen an den Leichen vorbei und zogen mit den anderen in Richtung Świecie weiter.
     Kurz vor Bydgoszcz hielten wir uns in einem Dorf auf, um zu übernachten. Der Wirt, der früher bei den Deutschen als Knecht gearbeiet hat und jetzt diesen Bauernhof sich eingeeignet hat, empfing uns sehr freundlich. Er schlachtete ein Schwein und wir konnten uns endlich satt essen. Die gute Stimmung wurde durch einen Unfall gestört. Ein junger Mann, der Bruder von dem Wirt spielte mit einem Granatenzünder und verurachte eine Explosion, die ihm die Finger abgerissen hat. Ich bin damals zur Straße gerannt und hielt polnische Soldaten auf, die bald den Jungen zum Krankenhaus in Bydgoszcz gebracht haben. 
     Nach Bydgoszcz kamen wir schon ohne Probleme. Ich hatte nur Fußschmerzen, weil ich den ganzen Weg vom Grupia nach Bydgoszcz in Holzschuhen lief. In Bydgoszcz, auf einer Brücke, prüfte eine Militärpatrouille allen Passanten die Dokumente. Ben Rocco ging die ganze Zeit mit uns, aber kurz vor der Patrouille hat er uns verlassen. Ich weiß es nicht, warum er sich nicht entschieden hat, zu der Patrouille zu kommen. Seit dieser Zeit habe ich ihn nie wieder gesehen. 
     Aus Bydgoszcz kamen wir mit einem Güterwaggon nach Grodzisk und wir blieben bei den Vettern in Milanówek. Dort erfuhren wir, daß das Haus von meinem Onkel Władysław Muck in der Kawcza Straße unzerstört blieb. Also wir gingen zu ihm.. Zuerst gingen wir zu Fuß von Warszawa Zachodnia (Warschau West) durch schrecklich zertrümmertes Warschau und weiter über die Brücke, in der Karowa Straße nach Osten. Ende Februar oder Anfang März erreichteten wir Kawcza Straße in Grochów.
     Nach vielen Monaten der Wanderschaft und nach den schrecklichen Erlebnissen kehrten wir nach Warschau zurück. Es gab zwar unser Haus nicht mehr, aber Warschau, meine Heimatstadt war frei.

 

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  Das Projekt ist vom Museum der Stadt Warschau in der Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv der Stadt Warschau und der deutschen Stiftung niederschsischen Gedenkstätten realiziert