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Berichte von Ryszard Zabłotniak


In den letzten Augusttagen 1944 wurde ich von deutschen Soldaten zusammen mit einer großen Zivillistengruppe aus der Altstadt mitgenommen und in eine Kirche in Wola [ein Stadtteil Warschaus - Anm.d.Übers.] geführt. Ich war 15, vor dem Ausbruch des Aufstandes besuchte ich die zweite Klasse eines Allgemeinbildenden Gymnasiums, das natürlich eine Untergrundbewegungsschule war.
Die Nacht verbrachten wir sitzend in der Kirche, danach wurden wir aus dem Bahnhof Warszawa Zachodnia in ein Übergangslager in Pruszków transportiert. Während der Fahrt in das Lager und während der weiteren Evakuierung traf ich andauernd auf spontane Hilfeaktionen seitens der Bevölkerung. Die Züge waren wortwörtlich mit Brot und Obst bombardiert, obwohl die Wächter versuchten, es zu verhindern. Die Deutschen schossen auf die Menschen, die Hilfe leisten wollten.
In dem Lager in Pruszków bekam ich in einer Dose eine Portion Suppe aus den von PCK [Polnisches Rotes Kreuz - Anm.d.Übers.] oder RGO [Zentraler Hilferat - Anm.d.Übers] gebrachten Kesseln.
Während ich Pruszków verließ, versuchte ich über mein Befinden meine Familie zu informieren, die in Ożarów wohnte. Zu diesem Zweck warf ich in bestimmten Zeitabständen kleine Zettel mit Information auf die Gleise. All diese drei Zettel erreichten den Empfänger innerhalb eines Tages! Eines der Zettel behielt ich bis heute, als ein Symbol polnischer Solidarität in schwierigen Tagen.
Nach der Befreiung kehrte ich im Juni 1945 nach Warschau zurück. Die Situation war sehr schwierig, mein Vater starb in dem KZ Oranienburg, meine Mutter hatte ein Zimmer in einer gemeinsamen Wohnung, als Besitz hatte sie nur eine Strohmatratze und eine Decke.
Das Interessante aus der Zeit meines Aufenthaltes in KZ Oranienburg [andere Tatsachen sind wohl bekannt] war,  dass eine kleine Gruppe polnischer Jugendlichen sich dort traf, um ausgewählte literarische Werke zu besprechen. Diese Treffen organisierte ein Pole, der Wächter in dem Block Nummer 8 war.

Stettin, 24. Mai 1976

(...) Die Zahl der Warschaus Bewohner, die nach Sachsenhausen geführt wurden, kenne ich nicht. In meinem Transport sollten angeblich ca. 4.000 Personen sein, aber ein Teil von ihnen (die Frauen) wurden nach Ravensbrück transportiert. Die Männer mussten zu Fuß nach Sachsenhausen-Oranienburg gehen. Nach Sachsenhausen kamen noch andere Transporte an. Aus Oranienburg (Aufenthalt in einer Fabrikhalle) wurden alle außer Metallarbeiter weg geschickt. Ich gab mich damals als Schlosser aus, so berieten mich ältere Häftlinge. Das wurde sogar überprüft - ich musste einen Schieber mit Skala einstellen - ich kannte es noch aus dem Gymnasium.
Am Anfang, dank Lebensmittel, die wir in der Gegend von Warschau bekommen hatten, herrschte noch kein Hunger.
Die Bedingungen beschreibt am besten die Tatsache, dass aus acht Männer, die mit mir aus Warschau kamen, nur ich überlebte. Keiner von ihnen wurde getötet, alle starben vom Hunger. Ich überlebte dank der Hilfe von Mieczysław Masztalerz, der dort Küchenaushilfe war und heutzutage in Łódź wohnt. Einige Male versuchten auch perverse deutsche Kriminalverbrecher mich "in ihren Schutz" zu nehmen. Für interessante Tatsache halte ich, dass unter Polen keine oder kaum Homosexuelle gab.
Ich arbeitete in der Halle Nummer 8, zwölf Stunden täglich. Ziemlich schnell erlernte ich, Einzelteile so zusammenzuschrauben, dass sie bei der technischen Kontrolle angenommen wurden, aber danach funktionierten sie doch nicht mehr. Nichtsdestotrotz wurde ich wegen meiner "Ungenauigkeit" bestraft. Im Jugendblock wurde ich einige Male von einem Stubenwächter verprügelt, weil mein Bett nicht richtig stand oder weil mein Regal "schmutzig war". Einige Male wurde ich mit kleinerem Gehalt bestraft, fas uns in dem nichtsnutzigem Lagergeld ausgezahlt wurde.

Warschau, 23 April 1976

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