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Bericht von Maria Tryczyńska


  ARCHIV DES VERBANDES DER PFANDFINDERWIEDERSTANDSBEWEGUNG
"SZARE SZEREGI" (?G
raue Reihen")

Daten:
Maria Tryczyńska
Geboren am 13.10.1930 in  Stolin (Polesie)
Die Tochter von Mieczysław und Zofia, geboren Oczkowska
Adresse in der Besatzungszeit: Słowacki Straße, Ecke Szczepanowski Straße

     [...] Nach der Niederlage des Aufstands, der in Żoliborz am 30. September 1944 zu Ende gegangen ist, war ich zusammen mit anderen Zivilisten (ich war damals 15 Jahre alt, war klein und zierlich) in dem Lager in Pruszków, dann in Jędrzejów, von wo es mir gelang, herauszukommen und in ein Dorf zu gehen. Ich wohnte vorübergehend in Kozłów in dem Haus des damaligen Landvogtes, Herrn Stawik. Sein Sohn Adam und Cousin Kazik Palka waren AK Soldaten (Polnische Heimatarmee). Ich blieb dort bis zum Kriegsende, danach gingen wir: mein Vater, meine Mutter, meine Schwester und ich zu der Familie von meinem Vater nach Chrzanów bei Kraków, wo wir ungefähr ein Jahr lang lebten. Im Jahre 1946 kehrten wir nach Warschau zurück, wo mein Vater Direktor der Abteilung in dem Ministerium für die Öffentliche Verwaltung wurde. Der Minister war damals Herr Kiernik. Wir wohnten in Mokotów (unsere Wohnung in Żoliborz wurde verbrannt). Dort setzte ich meine Ausbildung in dem Żmichowska Lyzeum fort, von wo ich aber im Dezember 1948 disziplinarisch verwiesen wurde - aufgrund der damaligen politischen Kämpfen. Weder mir noch meinem Vater wurden zahlreichen Verhöre und Repressalien seitens des Sicherheitsamtes (Urząd Bezpieczeństwa) erspart. Mein Abitur habe ich in dem Hoffmanowa Lyzeum gemacht. Trotz allem gelang es mir, in die Medizinakademie in Warschau aufgenommen zu werden. Die Bildung dort habe ich, trotz allen Problemen politischer Natur, am 13. Oktober 1954 abgeschlossen. Während des Studiums musste ich eine lange Zeit arbeiten, weil mein Vater (auch aus politischen Gründen) aus der Arbeit entlassen wurde. Die so genannte "Stalinzeit" war in der Hinsicht auf meine materielle Situation und psychische Kondition sehr schwierig für mich.  Ich wurde an die Arbeit nicht in ein Krankenhaus oder ein Klinikum in Warschau, so wie meine Parteikollegen zugeteilt, sondern in ein Provinzsanatorium für Präventivbehandlung der Tuberkulose in Otwock, und das trotz meinen sehr guten Lernergebnissen (nach fünf Jahren hatte ich schon einen Arztdiplom und die Spezialisation des ersten Grades in Pädiatrie). In der damaligen Zeit war ich schon verheiratet und schwanger. [...] Meine ganze (unsere Familien-) Habe wurde während der Besatzung und des Warschauer Aufstands zerstört. Das Nachkriegsleben fing ich mit 15 an, mit allen prächtigen und schwierigen Erfahrungen der erlebten Tage. Der brutale Zusammenstoß mit der Realität verursachte, dass ich diese prächtige, aber zugleich so tragische Zeit meines Lebens tief in meiner Seele versteckt habe. Der Grund dafür waren vor allem die Festnahme und Hinrichtung von UB (Sicherheitsamt) des mir sehr nahe stehenden Cousins, AK Soldaten Franek Nagadowski und weitere Repressalien, die gegen einen so wertvollen Menschen wie meinen Vater und dann gegen die ganze Familie (mich inklusive) ergriffen wurden. Bis jetzt habe ich an damalige Zeiten nie zurückgedacht. Erst jetzt erzähle über das alles zum ersten Mal im Leben. Am Ende meines Berufslebens möchte ich meinen Kindern und Enkelkindern eine Spur von diesen für mich wichtigsten Jahren hinterlassen - auch in Form von meinen im Mai 1946 in einem Heft aufgeschriebenen Erinnerungen (die Korrekturen hat mein Vater selbst gemacht), die ich nach dem Tod meines Vaters wiedergefunden habe: diese Erinnerungen, das war ein Versuch, mein Tagebuch zu rekonstruieren, das während des Aufstands verbrannt wurde.

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