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Bericht von Zbigniew Zbigniewski


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Ich wohne in Warschau seit meiner Geburt. 1944 war ich 15 Jahre alt und wohnte mit meiner Familie - meinem Vater, meiner Stiefmutter und meinen Schwestern (sieben und ein Jahr alt) in der Grzybowska Straße 32.
Als der Aufstand ausbrach, stand ich in einer Bäckerei an der Ecke der Straßen Ciepła und Grzybowska. Die ersten zehn Tage verbrachte ich mit meiner Familie in der Gegend. Dann wurden die Zivilisten evakuiert, weil dort Straßenkämpfe anfingen. Und so fing unsere ungewollte Wanderung an. Ich wohnte zusammen mit meiner Familie bei Bekannten in der Pańska Straße (Ecke Mariańska Straße), wo in diesem Zeitraum noch relativ ruhig war. (...)
Als wir ein Lager mit gesammelten Lebensmitteln verlassen wollten, drangen die Deutschen hinein. Wir wurden von dort aus durch die Grzybowska Straße bis zur Towarowa Straße und Kerceli Platz geführt. Die, die noch am Leben waren, wurden an eine größere Menschengruppe angeschlossen, und dann wurden alle durch die Wolska Straße in die św. Wojciech Kirche (die Kirche des Hl. Adalbert) geführt. Das war ein Ort, wo die Selektion der Einwohner Warschaus stattfand, bevor sie weiter ins Ungewisse geschickt wurden. Ich gelangte an eine ziemlich kleine Männergruppe, die - wie sich später herausstellte - die Ergänzung eines in der Sokołowska Straße existierenden Zwangsarbeiterlagers bildeten. Das Lager befand sich in den nicht fertig gebauten Häusern hinter der św. Wojciech Kirche (...). In dem Lager befanden sich ca. 300 Männer. Am Morgen fand Appell statt, während dessen wir in Gruppen von 10 bis 30 Männer aufgeteilt wurden; und die deutschen Soldaten nahmen uns von dort aus zu unterschiedlichen Arbeiten mit: wir enttrümmerten Straßen, luden verschiedene Ware um, begruben Tote und leisteten andere für sie nützlichen Arbeiten. Da die Kämpfe noch dauerten, wurden wir zu gefährlichen Arbeiten unter Beschuss gezwungen, wie Befestigungen bauen oder Barrikaden abtragen. Deswegen wurde ab und zu die Menschenzahl mit neuen Männergruppen ergänzt, die anstelle der Verletzten und Gefallenen gebracht wurden.
Nach der Aufstandsniederlage wurde ein neues Zwangsarbeitslager  auf einem Militärgelände in der Puławska Straße, Ecke Rakowiecka Straße eingerichtet, in dem ich mich ab November 1944 befand (heutzutage ist es die Puławska Straße 4). Es gab uns dort insgesamt ca. 200 Männer, und wir wurden zu unterschiedlichen - hauptsächlich Umladearbeiten - in Warschau genutzt. (...)
Am 15. Januar wurde das ganze Lager nicht - wie es täglich war - in die Arbeit, sondern unter Militärbewachung aus Warschau durch die Wolska Strasse in die Richtung der Stadt Błonie schnell geführt. Das war schon die Flucht der Deutschen aus Warschau. Sie schafften es, uns irgendwo in die Region Pawłowice zu bringen, indem wir tags und nachts marschierten. Hier erschienen angreifende sowjetische Truppen und das war das Ende für die Deutschen. Es war ein frostiger Nachmittag am 17. Januar 1945.
Die ersten Stunden der neuen Situation  - als freie Menschen - verbrachten wir im Dorf. Wir feierten zusammen mit Bauern und sowjetischen Soldaten, denen in jedem Haus das Abendessen angeboten wurde.
Nachdem wir uns von Emotionen erholt hatten, organisierten wir die Rückkehr nach Warschau. Ich fuhr nachts mit einem Pferdewagen nach Grodzisk Mazowiecki. Dort übernachtete ich bei meinen Verwandten und erfuhr, dass meine Nächsten auch überlebten. Am nächsten Tag ging ich nach zu Fuß Warschau - entlang den Gleisen. Die Nacht verbrachte ich bei meiner Tante in Włochy. Dort sah ich zum ersten Mal meinen Vater wieder, der dachte, dass ich tot wäre. Es herrschte also eine große Freude, dass wir lebten. Mein Vater kam aus einem Dorf bei Grójec, wo er nach der Vertreibung aus Warschau bei Fremden zusammen mit unserer Familie wohnte. Selbstverständlich gingen wir am nächsten Tag - am 20. Januar 1945 in die Stadt, in die Trümmer der Grzybowska Straße. Es war nicht möglich, dort einzuziehen. Wir organisierten für uns ein Zimmer im Dachgeschoß in der Serocka Straße (Stadtteil Grochów), wo man schon normales Leben führen konnte. Wir holten meine Stiefmutter und die Schwestern von Grójec ab und fingen ein armes, aber neues Leben an. Nach Ostern 1945 zogen wir an die linke Seite Weichsels um, wo wir für uns am Wilson Platz eine Wohnung renovierten. Meine Eltern verbrachten in dieser Wohnung 28 Jahre. Ich  - als der Älteste wurde nach vier Jahren selbständig - ich arbeitete schon von den ersten Monaten nach der Befreiung an und lernte gleichzeitig. Heutzutage bin ich Magister Ingenieur für Landesbau. Ich bin weiterhin berufstätig. (...)

 

 

 

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