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Bericht von Idalia Olszewska-Klemińska


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Der Aufstand war schon beendet und die Überfahrten über den Fluss waren damit auch zu Ende.
    
Als das alles ruhiger wurde, dann haben wir mit Mama beschlossen zurückzugehen. Und so gingen wir zu Fuß - dort sind es wahrscheinlich an die 10 Kilometer - durch Felder, durch irgendwelche Kartoffelacker... die Kugeln pfiffen, sie schossen, da legten wir uns hin in diesen Erdschollen, in diesen Kartoffelackern, und als es dann aufhörte, standen wir auf und so ging es dann weiter... Mutter ließ mich nie alleine. Die Menschen sagten dort sogar: "Gehen Sie alleine, lassen Sie sie mit uns, Sie werden sehen, was dort los ist und dann kommen Sie sie holen", aber meine Mutter wollte nicht.
Wart ihr immer zusammen?
    
Immer. Und wir kehrten nach Hause zurück. Das Haus war leer. Das heißt - es war nicht leer, weil dort irgendwelche Russen stationierten...
Das heißt, in dem Haus stationierten Soldaten?
    
Ja, aber nicht in unserer Wohnung, weil die sehr klein war, nur in so einer großen Wohnung im ersten Stock. Aber in unserer Wohnung gab es nichts mehr. Überhaupt nichts - weder Löffel, noch Teller... Alles war weg. Alles - weder Decke, noch Kissen, nichts, überhaupt nichts. Den ganzen Krieg über litt ich keinen Hunger, weil Mutter und gute Menschen irgendwie halfen, und erst jetzt sahen wir, dass wir furchtbar hungrig waren, dass wir nichts zu Essen hatten. Ich erinnere mich, wie ich in der Küche herumging, im Geschirrschrank suchte, in den Schubladen, ob nicht ein paar Brotkrummen da waren. Aber später fingen wieder Menschen zu kommen...
Und hat irgendein Andenken in diesem Haus überdauert?
    
Auf dem Fußboden, zertreten, fanden wir die Hochzeitsfotos unserer Eltern. Ein paar andere Fotos noch. Und sonst gar nichts.
Und diese Fotos gibt es bis heute?
    
Ja, solche zertretenen, aus dieser Zeit.
     Diese Soldaten stationierten, sie führten sich auf wie, ich will lieber mal nichts darüber sagen. Wie irgendwelche Barbaren oder Wilden. Dort war ein Badezimmer, aber sie verrichteten ihre Notdurft nicht dort - wahrscheinlich war da sowieso kein Wasser, weil alles kaputt war - sie verrichteten ihre Notdurft in den Zimmern. Das war etwas Entsetzliches. Ich hatte einfach Angst vor diesen Leuten. Sie tranken ständig uns waren irgendwie so laut. Und wir waren schließlich allein...
Und wie verhielten sie sich gegenüber den lokalen Bewohnern? Es gab keine ernsteren Zwischenfälle?
    
Es gab einen ernsten Zwischenfall. Dieser Sohn des Volksdeutschen erfuhr von jemandem, wo wir sind, wo wir wohnen und kam zu uns. Er kam so verängstigt, wie ein Tier verängstigt. Und ich erinnere mich, wie Mutter ihm etwas zu essen gab. Und dann fielen sie rein - und nahmen ihn mit... Und erschossen ihn. Diesen Jungen.
Jemand hat ihn früher denunziert, oder?
    
Das nehme ich an, wie sonst wäre es bekannt, dass er zu uns gekommen ist? Und er spürte, dass wenn wir vorher bei seinem Vater gewohnt hatten... dass wir ihm dann vielleicht irgendwie helfen würden. Und Mutter brachte es auch nicht übers Gewissen zu sagen "Schere dich fort". Gut, dass sie uns deswegen nichts taten. Wegen diesem Deutschen. Weil sie sagten, es wäre ein Deutscher...
Und die Mutter hatte auch Kontakt mit den Soldaten der Berlingschen Armee?
    
Ja. Später waren in diesem Haus keine Russischen Soldaten mehr, nur Polnische. Und zwischen diesen polnischen Soldaten war eine Gruppe Soldaten aus der Heimatarmee. Sie waren anders gekleidet, sie trugen keine Waffen bei sich, sie hatten keine Waffen. Ich glaube, ich erinnere mich gut, dass sie solche grauen Uniformen hatten. Und überhaupt waren das ganz andere Menschen. Und sie halfen uns etwas, d.h. meiner Mutter und mir. Etwas Holz, schließlich gab es kein Heizmaterial... Es gab überhaupt nichts. Und der Winter nahte schon, es war doch schon spät im Herbst und man musste sich was zusammentragen. Und sie halfen uns eben etwas dabei. Ich erinnere mich auch, wie schlecht sie von den Russen behandelt wurden. Und eines Tages waren sie dann weg. Ich weiß nicht, was mit ihnen passiert war...
     Es war ein harter Winter, in der Wohnung gab es nichts - aber um uns herum gab es gute Menschen, die uns, wenn sie zusätzliche Teller, oder Löffel, eine Decke oder ein Daunenbett, etwas gaben, Mutter nähte dann etwas für sie im Gegenzug... Und so kamen wir dann zu Kleidung, zu irgendwelchen Sachen - im Gegenzug für Mutters Arbeit. Aber ich erinnere mich auch, dass die Menschen mir auch zu Essen gaben. Eben diese Familie, die vier Kinder hatte, ich weiß noch, wie sie Suppe kochten und das schmeckte mir so gut...
     Ich erinnere mich, dass sie eine Gerstensuppe mit Öl kochten. Heute kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen, dass ich so etwas essen könnte, aber es war damals so lecker... Es gab halt keine Produkte, keinen Platz, woher man sie hätte nehmen können. Später erst, nach einiger Zeit, als es wieder Märkte gab, aber das war doch nicht sofort.

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