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Bericht von Jadwiga Kołodziejska-Jedynak


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     Denn mein Bruder war zu irgendeiner Gruppierung gefahren. Ich kann nicht genau sagen, was es war, mit Sicherheit eine AK Gruppe (Polnische Heimatarmee), und er war nicht mehr da. Letztens hatte ich ihn drei oder vier Tage vor dem Aufstand gesehen.  Also waren wir zu viert.
     Und sie ließen uns nach draußen gehen. Meine Eltern waren darauf vorbereitet, dass man uns vertreiben würde, aber sie hätten nicht gedacht, dass es so schnell käme. Wir wussten nicht, dass es die Befriedung von Ochota war. Im Übrigen wurde in dem Zielort, dem sog. Zieleniak eine Rede an uns gehalten: dass so und so viele Deutsche in Ochota getötet worden wären und dafür so und so viele von den dort gesammelten Polen sterben müssten. Kurz gesagt, sie haben uns vertrieben...
Wie erinnern Sie sich an den Moment der Vertreibung?
    
Dieser Moment war schrecklich, denn vor uns standen keine Soldaten - klar es gab auch einige deutsche Soldaten aber weiter weg und sie mischten sich nicht ein - sondern eine furchterregende Mischung von Menschen, die ziemlich verdächtig aussahen. [es geht um die Waffen-Grenadier-Division der SS RONA - Anmerkung S.M.] Ganz zu schweigen davon, wie sie sich benahmen - und sie benahmen sich schrecklich, schon von Anfang an betatchten sie uns, um zu überprüfen, ob jemand Uhren, Ringe mit hatte; oder vielleicht in dem Gepäck, in dem auch - ihrer Meinung nach, wertvolle Sachen sein könnten. Gerade in unserem Haus konnte man schwer solche Sachen finden, denn dort wohnten vor allem Kleinbeamte, Kleinhandwerker, Arbeiter - es war ein armes Haus. Aber die Menschen brachten das heraus, was für sie am wertvollsten war, und dann fing die Plünderung an.
     Anfangs ließen sie noch junge Frauen und Mädchen in Ruhe, denn sie mussten uns zuerst auf einen Marktplatz treiben, den es dort noch vor dem Krieg gab. Da die Gebiete rund um Warschau herum Gartengebiete waren, fuhren auf diesen Markt die Pferdewagen - sehr früh, um 3 Uhr oder um 4 Uhr am Morgen, an den Wagen meldeten sich Obst- und Gemüseladenbesitzer oder die, die Gemüsestände auf anderen Märkten betrieben, und kauften das Gemüse.
     Zieleniak (der Gemüsemarkt) - was für die weitere Geschichte wichtig war - grenzte an eine Schule, in die ich nur ein Jahr lang ging. Diese Schule - das weiß ich nicht mehr genau, wurde erst im 1938 der Bestimmung übergeben. Das war eine anständige Schule mit allen Bedingungen, die die Jugendlichen brauchen würden. Es gab dort auch Turnhallen, und sie Schule selbst war frisch und sauber. Und diese Schule wurde in der Besatzungszeit für ein Krankenhaus für die deutschen Soldaten bestimmt, weil sie eben so sauber war. Und wir mussten in Warschau umherirren - ich zum Beispiel musste aus Ochota in die Śniadeccy Straße fahren. Für jemanden, der Warschau kennt, sollte es klar sein, was es für ein neunjähriges Kind hieß, in diesem furchtbaren Gedränge zu fahren.
     Aber in dieser Schule gab es keine deutschen Soldaten mehr - sie wurde von dieser Gruppe beschlagnahmt, die uns dahin - wie Vieh - getrieben hat.
     Das war grauenhaft - und ich spreche nicht über ihre Kleidung - das war nicht das Wichtigste, aber sie sprachen verschiedene Weltsprachen, ich habe dort auch die polnische Sprache gehört. Aber in meiner Umgebung wurde gesagt, dass es die Kalmücken waren, die uns überfallen hatten, denn dort gab es viele solche Menschen aus den Republiken der Sowjetunion, die wir Tataren nannten... Sie waren schlitzäugig. Aber allgemein - der Name war sehr täuschend, was sich erst nach dem Krieg herausstellte - bezeichnete man sie als Ukrainer. Wir behielten sie in Erinnerung als eine schreckliche Bande, die dadurch besessen war, alles mitzunehmen, was sie den anderen nur wegnehmen konnte. Es wäre auch nicht richtig zu sagen, dass wir den Deutschen gegenüber freundlich eingestellt waren - dafür hatten wir auch keinen Grund, aber ein wenig gewundert hat es uns schon, dass sie das Benehmen dieser Pseudosoldaten so gleichgültig annahmen. Denn das waren keine Soldaten.

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