Info über das Projekt  |  Info über Projektteilnehmer  |  Aktuell  |  Sponsoren  |  Kontakt  | 
         

search Suche
 

Bericht von Andrzej Garlicki


foto

Am 30. September kapitulierte Żoliborz. Wie haben Sie das in Erinnerung behalten und den Augenblick, an dem Sie Ihr Haus verließen, also in diesem Fall diesen Keller?
    
Wir waren zu dem Zeitpunkt schon umgezogen aus diesem Lehrerhaus in unser altes haus. Weil es dort schon zu gefährlich wurde. Und wir wohnten im Keller unter unserem Haus...
Ganz am Ender der Kämpfe um Żoliborz?
    
Ja. Ich erinnere mich, dass wir am 20. September etwa im Keller saßen, der Beschuss wurde immer stärker - und auf einmal stellte sich dort oben ein Deutscher hin, man konnte ihn aber nicht sehen. Er fing an zu schreien, wir sollen herauskommen. Meine Familie sprach fließendes Deutsch, also gab es keine Probleme mit dem Verstehen. Und wir kamen heraus. Jeder sollte nur wenig Sachen mitnehmen - ich nahm meinen Ranzen mit meinem Schätzen mit. Wir waren überhaupt nicht vorbeireite auf diese Evakuierung, also waren das, was die Leute mitnahmen, sehr merkwürdige Sachen. Man muss bedenken, es war Ende September, es war noch sehr warm, also nahm keiner Pelzmäntel mit...
Also anders, als das später in Śródmieście war, als die Leute Zeit hatten, um sich auf das Verlassen vorzubereiten...
    
Genau. Hier hatten wir überhaupt keine Zeit. Und ich erinnere mich, dass sie uns sehr schnell herausführten, auf die Krechowiecka-Straße, sie ist breit - und ich sah die heranstürmenden deutschen Abteilungen. Das war so ein filmisches Bild, deshalb grub es sich in meine Erinnerung ein: sie sprangen aus den Erdgeschoßwohnungen in die Krechowiecka-Straße heraus, aus diesem Lehrerhaus, dort gab es ein hohes Erdgeschoß - und so wie auf Filmen, diese Deutschen, bewaffnet mit diesen Schmeisser-Pistolen, in Helmen, sie übersprangen den Balkon und sprangen von einer ziemlichen Höhe herunter, sehr gewandt. In unsere Richtung. Weil unser Haus schon evakuiert war, aber in den anderen verteidigten sie sich noch.
     Dann führten sie uns in die Słowackiego-Straße, dann in die Suzina und in die Krasińskiego, in diese Richtung. Und ich erinnere mich, dass als wir damals gingen, da hatten wir eigentlich keine Angst. Wir wurden von den Deutschen bewacht, von deutschen Abteilungen. Also hatten wir nicht mehr solche Angst. Dafür hatten wir etwas Angst vor den Aufständischen, die schossen - wir hatten am Meisten Angst, als sie auf die Deutschen, die uns eskortierten zu schießen begannen, weil das schlecht enden konnte.
Also war das noch der Kapitulation von Żoliborz?
    
Noch vor. Wir kamen noch während der Kämpfe heraus. Ich vermute, die Kämpfe näherten sich ihrem Ende - weil all diese Schüsse schon vorbei waren - als wir ungefähr in die Nähe der Resurrektionsschwestern kamen, also Krasińskiego, bei diesen Schrebergärten. Dort fand sowieso vermutlich auch der Wechsel derjenigen, die uns führten, von Frontabteilungen zu eher polizeilichen Abteilungen. Und ich erinnere mich, dass dort - heute weiß ich, dass sie aus der Kaminski Brigade waren - RONA Soldaten. Damals nannten wir sie alle Wlassow Soldaten, aber dort waren sie nicht mit unter.
     Und ich erinnere mich, dass einer der RONA Soldaten meine Mutter etwas fragte und sie ihm etwas antwortete. Und meine Großeltern, meine Tante und meine Mutter sprachen alle ausgezeichnet russisch, weil Großvater ein zaristischer Richter war und russisch war sozusagen seine Muttersprache außer Polnisch. Sie sprachen ausgezeichnet russisch, mit Akzent. Dermaßen, dass dieser RONA Soldat anfing mit meiner Mutter zu reden, dann nahm er einen eisernen Kamm heraus, gab ihn ihr und sagte: "Das wirst du gut gebrauchen können, wenn die Läuse kommen". Und wir konnten es wirklich gut gebrauchen. Er schenkte ihn ihr und nahm uns keine Uhren weg...
Also war er nicht aggressiv, befahl euch nicht, die Uhren herunter zu nehmen, sondern gab euch noch einen Kamm?
    
Nein. Aber er warnte, dass dort weiter aggressive sein können und dass sie Frauen vergewaltigen - was mir damals nichts sagte, aber dass sie auf jeden Fall aggressiv sein können. Nein, er sah einfach jemanden, der ausgezeichnet russisch sprach und er selber war Russe oder Weißrusse. Und meine Familie sprach so, wie gebürtige Russen - und nicht mit einer gelernten Sprache; und Mutter in der Sprache ihrer Kindheit...
     Dann führten sie uns zum Westbahnhof. Ich stelle mir vor, dass es ungefähr entlang der heutigen Polnische Heimatarmee Route - irgendwo in der Gegend mussten wir gehen; ich erinnere mich nicht an alles. Aber ich erinnere mich, dass wir die ganze Zeit gegangen waren, wir übernachteten nirgends, es gab nichts unterwegs. Sie gaben uns etwas Wasser...

 Zurück...


 
Zusätzliche Dokumente
         
 
search Suche
 
   

Copyright © Muzeum Warszawy :: 2007

   
  Das Projekt ist vom Museum der Stadt Warschau in der Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv der Stadt Warschau und der deutschen Stiftung niederschsischen Gedenkstätten realiziert