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Bericht von Danuta Nizińska-Grzegrzółka


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Danuta Grzegrzółka, Alter: 15 Jahre, in der Besatzungszeit wohnte sie in Warschau, in dem Stadtteil Mokotów, in der Chocimska Straße 25.

Am 6. August, es war ein Sonntag (Verklärung des Herrn) hörten wir jemand an das Einfahrtstor donnern. Der Hausmeister öffnete das Tor und die Deutschen rannten in den Innenhof hinein mit schussbereiten Gewehren, dann sagten sie uns, sie geben uns 5 Minuten und wir müssen die Gebäude verlassen. Wir nahmen nur das Kopfkissen, ein Stück Speck und noch irgendwas mit und schlossen uns der Marschkolonne auf der Straße an. Wir wurden in Richtung Unia Lubelska-Platz getrieben. Ich schaute zurück auf unser Haus, da kamen aber schon die Rauchwolken auf. Wir gingen weiter durch die Straßen: Al. Szucha in Richtung Al. Ujazdowskie. An der Ecke stand ein Gebäude aus Holz, in das wir für die ganze Nacht eingepfercht wurden. Am nächsten Morgen, nachdem die Männer von uns getrennt worden waren, wurden wir durch Litewska Straße bis zur Marszałkowska Straße und weiter bis zum Zbawiciel Platz getrieben. An jeder Ecke war ein großes Maschinengewehr aufgestellt und neben dem Gewehr standen Deutsche in schwarzen Uniformen. Als wir durch den Zbawiciel Platz gingen, sahen wir Menschenleichen neben Koffern liegen, die so vollgepackt waren, dass die Böden abfielen. An dieses Bild kann ich mich sehr gut erinnern.

Auf der anderen Seite des Platzes, vor der Marszałkowska Straße, stand eine Barrikade. Hinter der Barrikade waren die Aufständischen. Die Deutschen führten uns eben dahin, sie ließen uns großzügig zu unseren Mitmenschen gehen. Ich muss zugeben, dass sie uns gegenüber nachsichtig waren, weil die nächsten Häuser und die Menschen, die dort wohnten, es viel schwieriger hatten. Dort wurden in die Keller Granaten hineingeworfen, viele Menschen wurden umgebracht. Zum Beispiel, in der Skolimowska Straße 5 gab es eine Wäschemangel, und eine Bekannte Wäschemanglerin, die überlebt hatte, erzählte, dass die Frauen und Kinder aus ihrem Haus von den Deutschen vor den Panzern getrieben worden waren.

Wir hingegen wurden für zwei Monate in Śródmieście [das Zentrum von Warschau] gesperrt. Wir gingen zur Wilcza Straße (Wílcza Straße 29). Dort realisierten wir, dass die Einwohner von Śródmieście für die sich dort aufhaltenden Personen Lebensmittel organisierten und Suppen kochten - das taten selbstverständlich diese, die sich das leisten konnten. Auch solche Familien, die über große Wohnungen verfügten, nahmen Menschen in die Wohnungen. Uns bot eine Frau Dąbrowska eine Unterkunft an; sie gab uns ein möbliertes Zimmer auf der vierten Etage, mit einem Fenster, das in den Innenhof ausging. Diese Wohnung bestand aus vier Zimmern, die mit alten, stilvollen Möbeln möbliert waren. In unserem Zimmer gab es Liegesofas und wir konnten bequem schlafen, solange noch keine starken Luftangriffe kamen. Selbstverständlich wurden in der Küche dieser Wohnung für uns Suppen gekocht. Also, wenn es um Unterkunft und Verpflegung ging, hatten wir im Moment nichts auszusetzen.

Wenn es ruhig war, gingen wir aus der Wohnung auf die Straße heraus, wir lasen Presse, Janek war weiterhin Mitglied der Pfadfinderbewegung und arbeitete dort in der Pfadfinderfeldpost. Er ging jeden Morgen früh aus dem Haus und brachte Briefe, die von den Menschen geschrieben wurden, die von ihren Familien getrennt wurden, oder die es nicht geschafft hatten, vor dem Anfang des Aufstandes nach Hause zurück zu kommen.

Die größte Sorge waren die Scharfschützen, die sich auf den Obergeschossen der Häuser versteckten und aus diesem Versteck auf die Zivilisten, Kinder und Aufständischen schossen.

Als wir uns dort schon eingelebt hatten, fanden wir auch unsere ehemaligen Nachbarn von der Chocimska Straße, die uns über das grausame Schicksal mancher Häuser erzählten. Als die Deutschen nämlich ein Gebäude eingenommen hatten, warfen sie Granaten in den Keller, in dem die Menschen saßen. Es gab viele Leichen. In einem anderen Gebäude in der Skolimowska Straße nahmen sie alle Frauen und Kinder fest und ließen sie danach vor ihren Panzern gegen die aufständischen Barrikaden laufen.

Eines Tages saßen wir in unserem Zimmer und aßen, als die Welt geplatzt ist; wir fielen wie geschossen aus dem Sofa auf den Boden. Der Staub und Rauch, das Knarren der zerschlagenen Fensterscheiben, Menschenschreie - das war unbeschreiblich. Wir liefen aus dem Zimmer heraus, wir sahen all diese alten Möbel in dem ganzen Zimmer chaotisch verschoben stehen. Wir gingen schnell nach unten und liefen in ein Gebäude, das auf der anderen Straßenseite stand. Wir liefen in den Keller herein und dann kam ein weiterer Knall; der Schlag öffnete alle Türe zu Rauchlöchern - wir wurden vom Kopf bis Fuß mit Ruß bedeckt. Es sah sehr lustig aus, wir sind innerhalb von einer Sekunde schwarz geworden. Plötzlich kam zu meiner Mutter ein Mann und sagte, dass es Janek in das Krankenhaus in die Marszałkowska Straße 95 getragen hatte, weil er verletzt worden war (am 23. August). Als sich die Lage beruhigt hatte, ging meine Mama ins Krankenhaus. Janek lag im Bett, sein ganzer Körper war mit Toilettenpapier verbunden, er hatte nur ein Loch für den Mund offen. Ich konnte das nicht sehen. Das Krankenhaus wurde von den Priestern geführt; es tat ihm um Janek so leid, dass sie ihn zum Begräbnis in ein weißes Lacken umgewickelten und in einen Sarg aus rohen Brettern legten. Nachdem wir nach Hause zurück gekommen waren, fanden wir heraus, dass dieses Haus und dieselbe Etage, aber auf der anderen Straßenseite von einem Geschoß aus der „Kuh" (dem Eisenbahngeschütz) getroffen worden war. Die Wohnung dort wurde völlig zerstört und einer Frau, die sich dort aufhielt wurde das Bein abgerissen.

Vor dieser Explosion war Janek gerade dabei, von der Pfadfinderversammlung zurück nach Hause zu kommen. Eine Bekannte hielt ihn an, um nach den Neuigkeiten aus der Stadt auszufragen. Wäre das nicht gewesen, hätte er noch nach Hause geschafft. Die Druckwelle, die nach der Explosion entstand, warf ihn unglücklicherweise so stark gegen die Wand, dass ein Teil seines Gehirns herauslief. Dieser Frau ist nichts passiert, da sie im Treppenhaus stand und Janek stand im Hof. Der Priester aus dem Krankenhaus sagte, dass selbst wenn Janek das überlebt hätte, hätte er nie mehr normal sein können. An diesem Tag blieben wir ohne Essen, denn ein Kessel mit dem Pferdefleisch für eine Graupensuppe zugeschüttet wurde.

Seit diesem Tag führten wir unser Leben in dem Keller dieses Hauses mit sechs Etagen. Dort standen große Tische, auf denen sehr viel Papier lag. Wir nahmen unsere bescheidenen Habseligkeiten und brachten sie nach unten. Wir nahmen auch das Essen von Zuhause, aber es war nicht viel und es reichte nicht für lange aus. Nicht weit weg von uns wohnte meine Tante Maria (heutzutage trägt sie den Nachnamen Piekarek), sie gab uns getrocknete Zwiebeln und Weizen. Ab dem 23. August hatten wir nur das zum Essen. Ich ging einmal zu Janka Piekarek, der Tante von Krysiek, aber sie gab mir nichts zum Essen, sie sagte, sie hätte nichts. Meine Mutter hatte noch ein wenig Wäsche und neben uns gab es eine Bäckerei, meine Mama brachte dahin neue lange Unterhose, um dafür zumindest ein halbes Laib Brot zu bekommen. Aber der Bäcker - so ein Rüpel, gab meiner Mutter nur ein Viertel Brot. Danach gab auch das nicht mehr, er buk Brot für die Aufständischen; und da der Aufstand immer länger dauerte, fehlte auch das Mehl später. Śródmieście stand unter Beschuss und man konnte die Gegend nicht mehr verlassen.

Unglücklicherweise wohnte neben uns eine Gräfin mit ihrem Ehemann. (An ihren Namen erinnere ich mich nicht mehr). Ihre zwei Kinder nahmen an dem Aufstand teil. Noch dazu war sie taub, und als sie sich mit jemandem unterhielt, steckte sie sich eine kleine Spitztüte ins Ohr, was sehr komisch aussah. Sie waren mit Lebensmittel sehr gut versorgt, wohnten in demselben Gebäude, kochten Klöße, anderen Menschen lief das Wasser im Mund zusammen, aber sie haben niemanden was gegeben, nicht einmal den Kindern.

Einmal ging ich mit Teresa in die Trümmer, Notdurft zu verrichten und Teresa fand 20 Dollar in Gold. Dieses Geld gehörte eben dieser Grafenfamilie, weil danach ihr Ehemann die Trümmer nach diesem Geld durchsuchte.

Wir führten dieses armselige Leben in Begleitung der Explosionen von Luftbomben und „Kühen" - als sie in der Nähe explodierten, schlossen wir unsere Augen, hielten mit den Händen die Ohren und warteten, ob die Trümmer uns zuschütten würden oder nicht.  Das war ein großer Alptraum; ein Alptraum für die Menschen, die in dem Keller saßen und auf das Schlimmste warteten. Das lässt sich nicht beschreiben, das muss man erlebt  haben.

Eines Tages stellte meine Mama fest, dass ich auf Ruhr erkrankt war. Im musste ziemlich oft durch den ganzen Hof auf die Toilette laufen. Niemand wusste über meine Krankheit. Meine Mama wollte mich nicht ins Krankenhaus bringen - ich hätte dort wegen Mangel an Medikamenten sowieso keine Hilfe bekommen, außerdem fürchteten wir, dass wir uns dann nicht mehr hätten treffen können. Das Essen, das ausschließlich aus Zwiebeln und Weizen bestand, gab auch keine Kräfte. Mit der Zeit bildete sich auf unserer Haut eine Art zweiter Haut, das war eine Art rauer Hautschuppen. Mir persönlich hat diese „Diät" wahrscheinlich gut getan.

Der Aufstand in Wola und Starówka erlitt eine Niederlage. Die Soldaten aus Starówka sahen schrecklich aus. Ich konnte sie sehen, als sie durch unseren Keller durchgingen. Die Menschen spekulierten, dass die Sowjetische und die Polnische Armee schon in Praga waren. Wir freuten uns, dass sie uns mit Sicherheit befreien würden, und dass diese Hölle zu Ende gehen würde.

Leider kam eines Tages meine Freundin Wala zu uns - ihre Eltern und zwei Brüder waren in einem Lager gestorben, sie nahm an dem Aufstand teil - und sie sagte, dass die Armee uns nicht helfen würde, weil sie sich mit dem Kommando des Aufstandes nicht verständigt hatte. (Sie wurde mit Trümmern zugeschüttet).

Für Śródmieście fingen tragische Tage an. „Die Kühe", Flugzeuge und andere Geschütze beschossen unseren Bezirk. Als in der Nähe Bomben fielen, wackelte unser Haus, als ob es gleich umfallen und uns in Trümmern begrabe sollte. Das war das Schlimmste - zugeschüttet werden. Außerdem gab es weder Wasser noch Licht. Um Wasser zu holen, wurden Warteschlangen gebildet, das war ein gutes Ziel für die Deutschen, deswegen wurden auch viele Menschen erschossen. Wir knabberten weiterhin an den Zwiebeln und dem Weizen, während die Gräfin ihre Klöße satt gegessen hat.

Wir sahen schrecklich aus - unsere Augen sind hineingefallen, der nicht gewaschene Körper stank, wir waren wie Skelette. Der Mensch kann doch aber viel aushalten, so wie auch wir das alles erlebten: Knall der Bomben, Heulen der Autos, Hunger und den charakteristischen Schall von „Kühen".

Mokotów verteidigte sich noch, aber Śródmieście wurde immer öfter von den Deutschen bombardiert. Ende September gab keine Ruhe, nicht mal in der Nacht. Und so kam zur Kapitulation. Die Deutschen verordneten, dass am 1. Oktober die Zivilisten die Stadt verlassen sollten, sie sollten dafür die Kriegshandlungen einstellen und uns hinausführen. Tagsüber war es ruhig, aber in der Nacht bombardierten sie so stark, dass man es kaum aushalten konnte. Sie hielten ihr Wort nicht, aber das waren schon die letzten Schüsse. Wir wollten die Stadt gleich am ersten Tag nicht verlassen, weil meine Mama befürchtete, sie könnten uns in das Lager bringen. Sie ging zur Tante Monika in die Zieliński Straße und die Schwester der Frau, bei der sie arbeitete gab uns für diese zwanzig Dollar eine Dose Zucker, eine Bluse und noch etwas. Sie beraubte uns einfach. Aber vielleicht ist sie davon auch nicht reich geworden. Und auf diese Weise bereiteten wir uns am 3. Oktober vor, die Stadt zu verlassen. Da ich noch weiterhin krank war, zog ich eine Hose von Janek an, so gingen wir weg. Ich weiß nicht mehr, wohin; dort wurde eine Menschengruppe gesammelt, die Deutschen mit Waffen umzingelten uns und sie trieben uns entlang der Śniadeccy Straße. Der Anblick dort war erschütternd. Zerstörte Häuser, die auf den Straßen liegenden Leichen, die niemand weggeräumt hatte. Über die Śniadeccy Straße gingen wir bis zur Nowowiejska Straße; neben der Technischen Hochschule sahen wir Schrebergärten, wo wir Tomatensträucher und Karotten sahen - wir waren jedoch dermaßen verhungert, dass wir sie nicht essen konnten. So kamen wir am Bahnhof Warszawa Zachodnia an [Warschau West]. Hinter uns blieben Trümmer und Gräber.

Wir wurden nach Pruzszków transportiert, dort gab es ein Durchgangslager, aus dem die Menschen in die anderen Lager oder irgendwohin zur Zwangsarbeit weiter geschickt wurden. Wir wurden in einer großen Halle, auf einem Zementboden untergebracht, das PCK [Polnisches Rotes Kreuz] gab uns Suppe mit Weißkohl, die nach dem anderthalb Monate dauernden Fasten sehr gut schmeckte.

Am nächsten Tag näherte ich mich an den Zaun und sah die Aufständischen, die irgendwohin getrieben wurden. Unter ihnen erkannte ich Heniek Kędzierski - den Sohn von Onkel Andrzej. Wir sprachen eine Weile miteinander, es stellte sich heraus, er hatte auch an dem Aufstand teilgenommen. Das war das letzte Familientreffen. Er wurde nach Deutschland transportiert und ist nicht mehr zurückgekehrt. Es wurde gesagt, er sei an eine Wodkavergiftung gestorben. Und dort wurde er begraben.

Als ich zurückgekommen war, wurden wir von den Deutschen aufgefordert, den Raum zu verlassen und auf einen Platz herauszugehen. Dort trennten sie die Gesunden ab und schickten sie weg - es gab so viel Weinen; uns schauten sie sich an und erlaubten  uns zusammenzubleiben.

Dann brachten sie uns alle in die Viehwaggons ohne Fenster, sie pferchten uns zusammen bis zum Gehtnichtmehr, schlossen die Türen ab und ab ins Unbekannte. So fuhren wir die ganze Nacht ohne Trinken und Essen. Auf diese Weise kamen wir in Starachowice an und dort wurden wir freigelassen. Irgendwelche Priester sollen für unseren Transport ein gutes Wort gesprochen haben. Und so blieben wir drei, quasi mutterseelenallein in einer fremden Stadt am Bahnhof, ohne zu wissen, was wir weiter tun sollten. Mutti sagte aber, dass wir den gleichen Weg zurückfahren müssen, um zu unseren Leuten zurückzukehren. Wir stiegen ohne Fahrkarte in den Zug ein und fuhren los. Ich weiß nicht mehr, wie viele Tage wir fuhren, jedenfalls dauerte es ziemlich lange, denn die Züge verkehrten doch nicht wie üblich. Niemand wunderte sich über diese Wanderung, denn es war eine wahre Völkerwanderung, überwiegend aus Warschau. Eines Tages kamen wir nach Żyrardów - bis nach Mszczonów war es noch sehr weit, von Mszczonów waren es weitere 10 km bis zu einem Dorf, wo unser Vati war. Alles, was wir mithatten, nahmen wir auf die Schultern und gingen los. Ein Bauer nahm uns mit seinem Pferdewagen ein Stück mit, dann nahm uns ein zweiter mit, sodass wir langsam auch Mszczonów hinter uns ließen. Nach Hause war es nicht mehr weit, aber leider konnte ich nicht mehr laufen, ich war so schwach, dass ich nicht mehr auf den Beinen stehen konnte und sagte, ich werde nicht mehr weiter gehen. Ich legte mich in einen Straßengraben hin; aber meine Mutti und Teresa gingen weiter und kamen ans Ziel. Ich fiel in eine Art Ohnmacht, ich war froh, dass ich nicht mehr zu laufen brauche. Nach einer gewissen Zeit hörte ich einen Pferdewagen kommen und die Jungs von dem Onkel Stanisław nahmen mich vom Straßengraben hoch und legten auf diesen Pferdewagen hin. So kamen wir nach Hause.

Vati war nicht da, denn er ging wie immer Richtung Stadtgrenze von Warschau und sagte, dass er uns nie mehr sehen werde. Die Leute, die mit ihm gingen, erzählten, dass der Vati, sobald er irgendwelche kleinen Abdrücke von Kinderfüßen sah, diese küsste und weinte, denn er dachte, es wären Fußabdrücke von Teresa. Wir gingen schlafen und am nächsten Morgen fühle ich, dass mich jemand küsst und weint, und da war der Vati von den Vororten von Warschau zurückgekehrt und er fand uns zu Hause.

An der anderen Straßenseite, an der der Onkel wohnte, stand ein altes, deutsches, mit Backstein gebautes Bauernhaus, welches dem Onkel gehörte. Er vermietete uns dieses Haus, bis sich die Sache klärt.

Wir wohnten da, der Vati ging in den Wald, um Holz zum Heizen zu holen, denn der Winter kam immer näher und wir schauten sehnsüchtig Richtung Warschau, über dem die Rauchwolken standen.

Eines Tages sahen wir die Deutschen, die sehr viel Vieh trieben; das war nach dem Mittagessen. Aus der Richtung von Warka konnten wir ein Dröhnen hören. Wir gingen also über die Nacht zu unserem Onkel nach Hause und am nächsten Morgen begrüßten wir bereits unsere Befreier. Die sowjetischen Panzer holten die Deutschen ein, sie fuhren in die Menge mit diesen Panzern hinein, und das Vieh lief in alle Richtungen. Wir kamen zu uns nach Hause zurück, aber da suchten schon die Russen alles durch. Sie warfen meinem Papa vor, er sei ein polnischer Offizier, beinahe hätten sie ihn hingerichtet, aber nach einem langen Erklären ließen sie sich doch überreden, dass er ein Arbeiter war. Mein Papa sah gut aus, er war groß, sauber und hatte eine dunkelblaue postuniform an. Diese, die kamen, waren Proleten - ihrer Meinung nach musste jeder, der sich gut präsentierte und sauber war, sofort Akademiker sein. Auf diesen Panzern hatten wir übrigens Nachthemden und Unterhosen aus Seide hängen.

Endlich kam die Zeit, wenn wir nach Warschau zurückkommen konnten. Am Anfang gingen die Eltern dahin, sie fanden noch teilweise erhaltene Wohnung in der Aleja Niepodległości. Danach kam ich mit der Tante Jakubczak. (Es war Januar 1945)

Der Rückkehr war traurig. Da die unschätzbare Stadtbahn schon verkehrte, gingen wir von Dworzec Południowy [Südbahnhof]. Die Häuser in der Puławska Straße waren niedergebrannt, nur die Wände ragten heraus, in manchen erhalten gebliebenen Fenstern flatterten - ironisch, die Gardinen, als ob sie jämmerlich die Überlebten begrüßen würden. Das war ein fürchterlicher Anblick - wir mussten über Trümmern und zerschlagenen Fensterscheiben gehen. Das Leben normalisierte sich langsam. Die Menschen fingen an, aus Warschau die Trümmer wegzuräumen. Mein Papa arbeitete auf der Post und meine Mama in einer Apotheke. Ich ging zu einem Schreibmaschinenkurs und fing an bei dem Militär als Maschinenschreiberin eingestellt.

Ich habe noch das Wichtigste vergessen. Gleich unserer Rückkehr wurde die Exhumierung der Leiche von Janek verordnet. Er wurde in Służewiec begraben.

Uns so gehen meine Erinnerungen an die schlimmsten Erlebnisse zu Ende: innerhalb von zwei Monaten gab es alles: Flugzeuge mit Bomben, „die Kühe", die mit ihren Geschossen in Brand setzten, Menschen umbrachten und Häuser zerstörten. Wir überlebten diese schreckliche Hölle, die man mit Worten nicht beschreiben kann.

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