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Bericht von Stanisław Milewski


  Bericht von Stanisław Milewski
ARCHIV DES VERBANDES SZARE SZEREGI (GRAUE REIHEN)

Daten:
Stanisław Milewski
Ein Pfadfinder, Mitglied der "Grauen Reihen", in der Untergrund-bewegung hatte er einen Decknamen "Jeleń",?Rogacz" (?Hirsch"). An dem Warschauer Aufstand nahm er nicht teil.
Geboren am 11. April 1929. in Danzig
Sohn von: Bernard und Jadwiga geb. Pyczyńska
Adresse in der Besatzungszeit: Marszałkowska Straße 119, Wohnungs-nummer 4.

 

[...] Ich wurde erneut von der Streife der Nazisoldaten in Grodzisk angehalten und am 29. September 1944 aus Pruszków in ein Lager in  Piła (Scheidemühle) transportiert. Ich ging durch die Stadt als der Letzte in der Gruppe. Auf die Straße liefen die deutschen Mütter mit Kindern auf den Armen heraus - sie beschimpfen uns. Eine dieser Mütter, die zwei Kinder hatte, rief mir zu: "so jung und schon ein Verbrecher!" und sie spuckte mir direkt ins Gesicht. Dieses Erlebnis hat mich sehr getroffen; ich dachte über die Kraft des Hasses - ich glaube, mit solchem Hass konnte man nirgendwo anders als dort zu tun haben...
     Das Lager war untypisch. Es lebten dort Menschen von fünf unterschiedlichen Nationalitäten. Wir arbeiteten in Gruppen, jeweils über zehn Personen; wir luden Kohle in Handwagen und dann warfen wir sie aus einer Rampe in Lokomotiven und Wagen hinunter. Aus dem Lagerleben kann ich mich an zwei Erlebnisse erinnern. Einmal wurde ich dabei erwischt, als ich mit einem jungen Franzosen redete. Als Strafe mussten wir unter Bewachung mit bloßen Händen einen leeren Wagen von 50 Tonen mit großen Kohlesteinen  beladen. Das war die Arbeit über menschliche Kräfte. Damit wir über die hohe Wand in den Wagen kamen, mussten wir einen Steg bauen. Wir gingen über diesen Steg, der Kohlestein in den Händen; und dann konnten wir ihn nur mit Mühe in den Wagen hinein werfen. Wir arbeiteten so bis es spät am Abend wurde. Ich traf diesen Franzosen nie mehr wieder.
     Eines Tages wurde ich zum Oberführer des Lagers bestellt. Sein Zuvorkommen weckte in mir zugleich Verwunderung und Befürchtung. Zuerst dachte ich, ich würde es meinen Kommunikationsfähigkeiten verdanken. Als er aber vom Allgemeinen zum Kern der Sache überging, wurde mein Gesicht immer länger. Er stellte fest, aus den Dokumenten geht hervor, ich wäre Deutscher, da ich in Danzig geboren bin. Er sagte ebenfalls, man sollte mich entlassen, damit ich dem Deutschen Reich in diesen schwierigen Stunden helfen könnte. Meine entschlossene Antwort machte ihn unbeschreiblich wütend, ich stellte nämlich nachdrücklich fest, dass ich zwar von der Staatsangehörigkeit her ein Danziger bin; aber ich bin polnischer Nationalität und ich "war, bin und bleibe ein Pole". Wütend stürzte er sich auf mich, er schlug mich mit den Fäusten ins Gesicht und am Kopf. Als ich zum Boden fiel, begann er mich wahllos zu treten. Nachdem ich so zusammengeschlagen worden war, wurde ich nach draußen rausgeworfen. Da ich weitere Schläge fürchtete, stand ich mit Müh und Not auf. Als ich in meinen Block ging, hörte ich ihn schimpfen und fluchen, hatte aber keine weiteren Konsequenzen nach diesem Vorfall zu tragen. Dieses Ereignis brachte mich auf eine nahezu absurde Idee, aus diesem Lager zu flüchten. Ein günstiger Umstand war dabei, dass wir von der Arbeit immer über einen der Bahnsteige gingen. Ich bemerkte auch, dass von diesem Bahnsteig genau um Mitternacht ein Zug nach Posen abfuhr.
     Nachdem ich mich einige Male darüber vergewissern hatte, entschied ich einige Tage vor Weihnachten, diesen Schritt ins Ungewisse zu tun. Die Wechselfälle des Lebens waren unterschiedlich. Drei Mal war ich kurz dabei reinzufallen; aber dann nach drei Tagen gelangte ich endlich nach Krakau. Am Ende des Bahnsteigs standen Gendarmen herum. Aus der Falle half mir ein älterer Herr - Eisenbahnmitarbeiter. Er gab mir seine Mütze und seinen Hammer und führte durch die Bahnhofshalle nach draußen; er beriet mir, zu Fuß zu gehen. Ich ging also durch die menschenleere Stadt entlang der Straßenbahngleisen in die Richtung Borek Fałęcki. Sehr krank und erschöpft gelangte ich endlich an das Haus, in dem meine Schwester lebte.

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