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Bericht von Dariusz karolak


Der Zug: Güterwaggons ohne Dächer, sollte uns irgendwohin in die Richtung Süden transportieren. Während der Fahrt nutzten wir das, was uns geworfen wurde (am häufigsten waren es Zwiebeln). Die Menschen stiegen unterwegs aus, wir fuhren bis Skarżysko-Kamienna. Dort wussten wir aber nicht, wohin wir weiter gehen sollten. Im Endeffekt zeigten uns zwei Männer einen Unterschlupf  bei den Besitzern eines Restaurants. Erst dort, nach einigen Wochen Unbequemlichkeit hat man mich gebadet, mir Essen gegeben und mich ins Bett gelegt.

Die Unterkuft bei den Restaurantbesitzern war für uns ein glücklicher Zufall, weil es im Moment nicht möglich war, Hilfe von RGO [Zentrales Hilferat] zu beziehen. RGO wurde nämlich noch über die Ankunft der ausgesiedelten Warschauer informiert und deswegen auch nicht vorbereitet, sich um sie zu kümmern. Mit der Zeit konnten aber die nach Skarżysko angekommenen Aussiedler ihre Hilfe nutzen. In Skarżysko trafen wir auch den Opa, der auch Unterkunft bei entgegenkommenden Menschen bekommen hatte. Bald traf jedoch unsere Familie das, was wir so sehr nach der Niederlage des Aufstandes vermeiden wollten. Mein Vater wurde von den Deutschen gefunden und obwohl er ihnen auf Deutsch zu erklären versuchte, dass er mein einziger Betreuer wäre (er wollte sie austricksen, weil meine Mutter im Moment gerade nicht in der Wohnung war), wurde er mitgenommen und in einen Transport geführt, der zur Zwangsarbeit nach Deutschland fahren sollte. Vom Herbst 1944 bis zum Frühjahr 1945 waren wir: meine Mutter und ich von meinem Vater getrennt. In dieser Situation entschied sich meine Mutter, nach der Unterkunft und Mitteln zum Leben bei ihren Bekannten zu suchen, die in Radom und Ostrowiec wohnten. Am Anfang waren wir in Radom, aber nach einer kurzen Zeit fuhren wir nach Ostrowiec Świętokrzyski, wo eine Freundin meiner Mutter wohnte. Sie wohnte mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihrer Enkelin zusammen. Diese Familie nahm uns sehr herzlich auf, und der Gastgeber (der Schwiegersohn der Freundin meiner Mutter) half meiner Mutter bei der Arbeitssuche. Da er in einer Mühle arbeitete, ermöglichte er ihr, mit Mehl zu handeln. Meine Mutter fuhr andauernd nach Skarżysko und verkaufte dort Mehl und andere Lebensmittel. Sie musste oft während der Fahrt mit der Ware die Deutschen nach einem Passierschein fragen, weil das schon beinahe die Frontzone war. Sie war auch den Repressalien seitens der Deutschen ausgesetzt; aber glücklicherweise ist ihr nie was passiert. Meine Mutter schickte meinem Vater Pakete und stand mit ihm die ganze Zeit im Briefwechsel.

Die Weihnachten kamen.
Ich weiß noch, dass ich damals auf einem Blatt Papier unsere ehemalige Wohnung zeichnete (die Tochter unseres Betreuers, die 2 Jahre älter als ich war, brachte mir das Zeichnen bei, sie zeigte mir sogar die Buchstaben) und ich schickte diese Zeichnung meinem Vater im Brief. Die Weihnachten verbrachten wir „im Exil", die Familie war getrennt, aber die Atmosphäre, um die sich unsere Gastgeber kümmerten war recht herzlich, es gab eine Oblate, Glückwünsche, Geschenke und eine Hoffnung, dass das alles bald sein glückliches Ende nehmen würde. Schon seit den ersten Tagen in Ostrowiec kann ich mich an die Deutschen erinnern, die die Brücke bewachten, über die man sprach, dass sie dort Minen gelegt hatten. Ich erinnere mich auch an eine Militäreinheit, die andere Uniforme trug, als die Deutschen; sie Menschen sagten, es wären die Ungarn.

Gleich danach spielten sich bedeutende Ereignisse ab. Im Januar 1945 wurde Ostrowiec von Russen eingenommen - sie kamen nach einem Angriff, der die ganze Nacht lang dauerte. Die Deutschen sprengten selbstverständlich die Brücke und die Russen bauten eine neue, aus Holz. Während des nächtlichen Angriffs saßen wir im Keller; die Menschen freuten sich dass die Deutschen bald weg sein sollten, aber sie waren sich weiterhin unsicher, vor allem die Frauen: wie würden die Russen sein?

Die Einheit, die sich bei uns für eine kurze Zeit einquartierte, hatte einen sehr sympathischen jungen Offizier. Diese Militäreinheit blieb bei uns aber nicht lange, denn sie marschierten gleich weiter, Richtung Berlin.

Ich kann mich noch an den Tag der Befreiung erinnern, die Menschen kamen auf die Straßen heraus, irgendwelche russische Offiziere hielten Reden, von denen ich nicht einmal ein Wort verstand. Nach einiger Zeit fuhr ich mit meiner Mutter nach Skarżysko, wo meine Großeltern lebten (die Eltern meiner Mutter). In Skarżyko bekam mein Opa Arbeit als Arzthelfer in einer Bahnambulanzstation. Dort spielten sich weitere wichtige Ereignisse ab.

Eines Tages im Mai, als draußen im Garten Flieder blühte, sagte die Oma zu mir, der Krieg ist aus - ich konnte es nicht glauben, ich, der während des Krieges geboren wurde und der die Friedenszeit nicht kannte, ich konnte mir die Welt ohne Krieg nicht vorstellen.

In den weiteren Jahren meiner Kindheit konnte ich mir die Deutschen nur als bewaffnete Soldaten in grünen Uniformen vorstellen, ich war auch nicht in der Lage, mir vorzustellen, dass es in Deutschland auch Frauen gibt...

Wenn es um die Russen geht, konnte ich mir genauso keine anderen Männer als Soldaten vorstellen. Jedoch die russischen Frauen widersprachen nicht meiner Vorstellungskraft. Vielleicht deswegen, dass in diesem kleinen Haus, in dem mein Opa wohnte, wurde für eine Zeitlang eine russische Einheit einquartiert, und da waren genauso die Männer als auch Frauen dabei.

Ein zweites wichtiges Ereignis dieser Zeit war die Rückkehr meines Vaters. Es passierte Ende Mai 1945. Dieses Tages tauschte ich mit meinem Opa Blumen in einer kleinen Kapelle aus, die auf der Straßenecke stand. Meinen Vater bemerkten wir nicht, er war weit weg zu uns und schaute auf uns intensiv, um uns aus der Sicht nicht zu verlieren. Er holte uns ein, als wir bei dem Gartentor waren. Ich erkannte meinen Vater nicht, er war ungewöhnlich abgezehrt und zerlumpt, er hatte kranke, wunde Beine; meine Mutter, als sie ihn sah, erlebte einen Schock. Nach Skarżysko kamen Informationen aus Warschau

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