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Bericht von Witold Jerzy Niewiadomski


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     Nach drei Tagen wurden Güterwagen bereitgestellt. Die Selektion. "Topacz", ich und die zwei Schwester von "Placek" wurden nach Deutschland eingeteilt, "Placek" mit seiner Mutter sollten irgendwo in die Region von Kielce geschickt werden. Wir wurden in die Wagen gedrängt; jeweils sechzig, achtzig Menschen in einen Wagen, und wir starteten. Nur einmal durften wir auf irgendwelchem Bahnhof den Zug verlassen. Sie gaben uns eine dünne Suppe, man durfte auch Latrinen benutzen.
     Wir fuhren drei Tage in Richtung Westen. In der Nacht hielt der Zug an irgendeinem Bahnhof an. Die Sirenen heulten, in der Ferne donnerte es, plötzlich schossen Blitze durch den nächtlichen Himmel. Bombenangriff. Nach kurzem Aufenthalt brachte uns der Zug aus der Stadt raus und erst da blieben wir richtig stecken. Die Waggons schaukelten von den Explosionen in alle Himmelsrichtungen. Einige begannen zu brennen. Jemand öffnete die Türen von außen. Das Volk strömte zügig aus den Waggons und machte sich aus dem Staub. Wenn die uns freiließen, dann flohen wir. Zu viert kamen wir zurück, um unsere Sachen zu holen und dann liefen wir in diese brennende Stadt, um zu erfahren, wo wir waren. Am ersten Haus fragten wir die Deutschen danach - Bochum - war die Antwort. Wo zum Teufel liegt es? In Westfalen - erklärte ein Deutscher gelassen. Wir machten lange Gesichter. Wir waren ohne Geld, ohne Essen und ohne Dokumente am anderen Ende von Deutschland gestrandet. Unsere Deutschkenntnisse waren mäßig, uns verrieten die Kleider, die wir noch vom Aufstand hatten. Mit einem Wort: keine Chance. Zum Zug wollten wir nicht zurückkehren. So beschlossen wir, sich der Polizei zu stellen. Da schlug gerade vor dem Polizeigebäude eine Bombe ein. Das Gebäude stand zwar noch da, es waren aber keine Fenster mehr da und drinnen war alles "umgeordnet". Die Deutschen waren sehr höflich. - "Ihr kommt von dem Aufstand?" - fragten sie. Die fragten uns lange danach, was dort passiert war. Übernachten sollen wir in einer Zelle. Später sollten sie entscheiden, was sie mit uns tun sollen. Am Morgen stellte sich heraus, dass unser Transport bereits abgefahren war. Wohin? Das mussten unsere Polizisten aber erst herausfinden. - "Das dauert" - sagten sie uns. "Gut, aber wir haben Hunger". Zwei Monate Hungernot während des Aufstandes, drei Tage Zugfahrt ohne Essen blieben nicht ohne Folgen. Sie schickten uns in eine Feldküche, wo auf der Straße an die Einwohner der zerbombten Häuser Suppe verteilt wurde.
     Bei dem Enttrümmern arbeiteten viele Arbeiter aus Frankreich und Belgien. Eine Bekannte half uns, sich irgendwie zu verständigen. Als sie erfuhren, dass wir aus Warschau, aus dem Aufstand gekommen waren, fingen sie an, uns verschiedene "Leckerbissen" und Schüssel Gemüsesuppe zu schenken, deren Geschmack ich bis heute in Erinnerung habe. Erst dann fühlten wir, dass wir lebten. Die Polizisten fanden heraus, wohin sie uns schicken sollten. Wir wussten nur, dass wir einige Zehn Kilometer in die Richtung Westen geschickt werden sollten. Wir lachten damals, dass wir dort "Tommy" - "die Alliierten" treffen sollten. Und tatsächlich war in dem Übergangslager an der niederländischen Grenze, wo wir gelangten, die westliche Frontlinie schon zu hören.
     Nach einigen Tagen Ruhe gab es eine weitere Selektion. Diesmal zur Arbeit. "Topacz" und ich meldeten uns freiwillig. Wir wurden in ein Lager in dem Vorort von Essen, in den Krupp Betrieb geschickt. Wir bekamen sogar Decken und Schüssel. Gegen 20. Oktober fielen Bomben auf unser Lager. Die Baracken verbrannten. Eine der Bomben traf direkt den Schutzkeller und tötete Russen und Ukrainer, die dort waren. Es wurde uns befohlen, unsere Sachen zusammenzupacken und wir wurden weiter nach Westen, 40 Kilometer von Essen transportiert. Ab diesem Moment wurden wir in die Arbeit mit dem Zug gebracht. Als die Amerikaner die Eisenbahnlinien bombardierten, mussten wir diese vierzig Kilometer in das Lager zu Fuß gehen. Und wir gingen in das Lager zurück, weil wir nur dort etwas zum Essen bekommen konnten. Bis wir im Lager waren, war es schon zwei oder drei Uhr am Morgen. Und am nächsten Tag mussten wir wieder in die Arbeit gehen.
     Obwohl wir in dem Krupp Betrieb einer Baugruppe zugeteilt wurden, mussten wir hauptsächlich die Trümmer wegräumen. Wir arbeiteten den ganzen Tag lang und am Abend kamen wir in das Lager zurück. Die Amerikaner bemühten sich schon richtig, dass es uns an Arbeit nicht fehlte. Sie waren so pünktlich mit den Luftangriffen, wie die Schweizer Uhren. Als die bestimmte Uhrzeit kam, fingen die Sirenen an zu heulen; die Deutschen gingen in die Schutzräume und wir versteckten uns überall, wo es möglich war.
     Noch während der Fahrt aus Warschau hatte ich in Pruszków aus dem Fenster einen Zettel mit Informationen über mich geworfen. Ich hatte ihn an meine Tante adressiert. Diesen Zettel hatte meine Mutter einige Stunden später bekommen. Danach, als ich schon im Lager in Essen war, suchte ich um jeden Preis Kontakt zu meiner Familie. Ich schickte Briefe und Postkarten an alle Adressen, die ich kannte.
     In der Hälfte Dezember bekam ich die erste Information aus der Heimat; damals noch aus dem Generalgouvernement. Aus dem Brief erfuhr ich, dass mein ältester Bruder in einem Gefangenenlager war; und dass mein Vater und mein zweiter Bruder in dem Lager in Hagen, in Westfalen waren. Ich erfuhr auch, dass am 25. September meine Mutter meinen jüngsten Bruder in dem Krankenhaus in Milanówek gebar. Ich war glücklich, denn obwohl meine Familie in fünf unterschiedlichen Orten auf der Welt zerstreut war, sind alle am Leben geblieben.
     Ende Dezember nahm ich Briefkontakt zu meinem Vater auf. An einem Sonntag Anfang Januar bekam ich von dem Lagerkommandanten einen Passierschein, so dass ich ausfahren durfte. Ich fuhr, meinen Vater zu besuchen. In Hagen stellte es sich heraus, dass während eines Luftangriffs das Lager verbrannt wurde, und alle in eine in der Nähe liegende Schule umziehen mussten. Ich fand diese Schule. Ich traf sogar unsere Nachbarn aus Warschau. Aber mein Vater und mein Bruder waren nicht mehr da. Sie wurden aufgrund schlechten Gesundheitszustands frei gelassen und fuhren nach Polen an demselben Tag zurück, an dem ich nach Hagen kam. Ich muss sie am Bahnhof verpasst haben.

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