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Bericht von Tadeusz Klemiński


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Ihr Vater wurde ins Reich zu Zwangsarbeiten verschleppt?
     Ja, Vater wurde gleich am nächsten Tag, nachdem wir in Grochów angekommen waren, verschleppt. Wir halfen der Frau meines Patenonkels Zigaretten zu machen. Wir stopften Tabak in solche Hülsen und sie verkaufte sie in ihrem Geschäft. Dieses Geschäft war schon eher selten offen, aber einige, die Zigaretten kauften, kamen und sie verkaufte sie ihnen. Das Geschäft war geschlossen, aber man konnte von hinten aus verkaufen, so zu sagen. Vier Personen kamen, also musste man etwas zu Essen beschaffen. Vorher hatten wir einen kleinen Garten, dort hatten wir Kartoffeln und Tomaten. Ich und Mutter (die Schwester und der Bruder blieben zurück) machten uns auf den Weg nach Wawer. Die Russen waren noch nicht einmarschiert. Wir wurden am Wachposten an der Rembertowska Landstraße aufgehalten. Sie sagten uns, wir können dort nicht hingehen. Mutter erklärte ihnen, sie gehe Essen holen für Kinder. Daneben war ein Kartoffelacker, etwas weiter wohnte der Besitzer dieses Ackers. Der Deutsche sagte, wir sollten auf diesen Acker gehen und uns nehmen. Wir gingen mit Mutter, aber wir sahen, dass dort ein Mann stand, also fragten wir ihn, ob er keine Hacke hätte. Und er sagte: "Ist es nicht genug, dass ihr meine Kartoffeln nehmt, ihr wollt auch noch eine Hacke!".
Aber er ließ Sie etwas von den Kartoffeln nehmen?
    
Er hatte nichts zu sagen, weil dieser Gendarm dort stand und uns gesagt hatte, wir solle uns was nehmen. Wir gruben etwas von diesen Kartoffeln aus, ich etwas in den Sack, Mutter etwas in den Sack und dann gingen wir. Zum Szembekplatz war es nicht sehr weit. In Grochów waren wir bis zum Einmarsch der Russischen Armee. Der Neffe und die Nichte meines Patenonkels nahmen Teil am Warschauer Aufstand, sie war sehr aufgeregt darüber. Nach Grochów kamen keine Informationen rüber. Als wir dort im Keller saßen, fiel ein Geschoss auf das Dach und das war ein einstöckiges Haus. Das Geschoss durchbrach den Tisch, der mitten im Zimmer meines Patenonkels stand, durchbrach den Fußboden, fiel durch das Tor, auf der anderen Seite war ein zweites Tor, fiel in dieses zweite Tor hinein und explodierte nicht. Wäre es explodiert, wäre nichts mehr von uns übriggeblieben. Wir alle würden sterben, weil wir gerade unter diesem Tor unseren Keller hatten, in dem wir saßen. Während wir dort saßen, in der Nacht, fiel ein Geschoss auf diese kleine Holzkirche und sie brannte. Die Bewohner trugen Wasser vom Brunnen, damit andere Häuser nicht Feuer fassten. Ich erinnere mich daran, wie die Russen einmarschierten. Es war dort so ein Junge, siebzehn, vielleicht achtzehn Jahre alt. Er fiel in den Keller ein und schrie: "Germanców niet?", und sie antworteten ihm, dass es keine Deutschen gäbe und gaben ihm ein paar Zigaretten. Jeder gab diesem Russen etwas und hinter ihm fielen weitere ein, aßen etwas und rannten weiter. Gleich nach der Befreiung, ein, zwei, drei Tage, nahmen unsere Sachen und kehrten nach Hause zurück. Wir gingen in unsere Kellerwohnung zurück.

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