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Der Polnische Untergrundstaat


      Der Polnische Untergrundstaat war ein einmaliges Ereignis. Er führte nicht nur den Kampf gegen den Besatzer, sondern erfüllte auch übliche Staatsaufgaben. Nirgendwo anders in dem besetzten Europa entstanden dermaßen entwickelte Strukturen geheimer Verwaltung.
       Nach der Niederlage im September 1939 war die Regierung der Republik Polen, die sich im Westen befand (am Anfang in Paris, dann in London), durch die Untergrundverwaltung in Polen vertreten und genoss Unterstützung der ganzen Gesellschaft.
       Am 26. Februar wurde Polityczny Komitet Porozumiewawczy (PKP - das Politische Komitee für Verständigung) bei Związek Walki Zbrojnej (Verband des bewaffneten Kampfes) ins Leben gerufen. Er bestand aus Vertretern der wichtigsten politischen Parteien: Polska Partia Socjalistyczna (PPS - Polnische Sozialistische Partei), Stronnictwo Ludowe (SL - Polnische Volkspartei), Stronnictwo Narodowe (SN - Nationale Partei), und seit Juli 1940 auch Stronnictwo Pracy (SP - Arbeitspartei). Sie wurden umgangssprachlich "das dicke Vier" genannt und wurden zu dem Untergrundparlament.
      Es wurde ein Vertreter der Regierung im Inland ernannt: seit Dezember 1940 bekleidete diesen Posten Cyryl Ratajski. Die einzelnen Departements entsprachen den bestimmten Ministerien.
      Die Vertretung hatte ihre eigene Presse; darunter auch eine Zweiwochenzeitschrift "Rzeczpospolita Polska"; sie leitete auch viele Arbeiten, die mit dem kulturellen Untergrundleben verbunden waren.
       Militärsondergerichte vollstreckten Todesurteile. Die verurteilten waren Verräter und Spionen verurteilt. Bei der Leitung des Bewaffneten Kampfes gab es auch Gerichtskommissionen, die für kleinere Vergehen bestraften. Den Frauen, die engere Kontakte zu Deutschen pflegten wurden die Köpfe glatt rasiert. Einige Schauspieler, die in deutschen Propagandafilmen spielten, wurden zu Infamie verurteilt. Das Justizdepartement bei der Vertretung arbeitete ein Gesetzbuch der bürgerlichen Moralität aus, das Normen beinhaltete, an die sich die Polen währen der Besatzung halten sollten.
      Die Leiter des Zivilkampfes, an deren Spitze Stefan Korboński stand, forderte dazu, offizielle Verordnungen des Besatzers zu ignorieren, jegliche Kontakte zu Deutschen zu meiden, sich vor der Ausreise in das Reich zur Arbeit zu drücken, das Kino zu boykottieren und die Aktionen der "kleinen Sabotage" zu führen (Propagandaposter abzureißen, patriotische Parolen an die Mauer schreiben, Flugblätter aufzukleben usw.)
        Angesichts dessen, dass die Deutschen Oberschulen und Universitäten geschlossen hatten, fing man an, geheimes Schulwesen im großen Maßstab zu organisieren. Anfang 1941 entstand das Bildungs- und Kulturdepartement bei der Regierungsvertretung. Noch 1940 fingen Vorlesungen im Rahmen der geheimen Warschauer Universität an. Die Vorlesungen, genauso wie die Kurse auf dem Niveau der Oberschule fanden in Gruppen jeweils über zehn Studenten statt. Die Universität war ein Beispiel für andere Warschauer Hochschulen: die Technische Hochschule, die Haupthochschule für Handel, die Haupthochschule für Ländliche Wirtschaft, das Staatsinstitut für Theaterkunst und die Freie Polnische Schule. In der Hauptstadt war während des Krieges auch die Geheime Universität der Westlichen Gebiete tätig, die von den aus ihrer Stadt vertriebenen Professoren und Studenten der Universität Poznan gegründet wurde.
     In einer schwierigen Situation befand sich Krakau, denn die Professoren der Jagiellonen Universität wurden von den Deutschen im November 1939 festgenommen und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Nicht desto weniger fing 1942 die Jagiellonen Universität ihre geheime Tätigkeit an. Aus der Initiative des Kardinals Adam Stefan Sapieha wurde in Krakau ein geheimes Priesterseminar gegründet, das Karol Wojtyła - der künftige Papst Johannes Paul II besuchte.
      Geheime akademische Vorlesungen wurden auch in Wilna und Lemberg gehalten, und zwar in der Zeit, als die beiden Städte sich schon unter der deutschen Besatzung befanden.
      Im Sommer 1942 trat der schwer erkrankte Cyryl Ratajski zurück. Sein Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Jan Piekałkiewicz. Leider bekleidete er diesen Posten nur kurz. Am 19. Februar 1943 wurde er von Gestapo festgenommen und zum Tode gefoltert. Er starb im Juni 1943 im Pawiak-Gefängnis. Im April 1943 wurde zum Vertreter der Polnischen Regierung im Inland Jan Stanisław Jankowski ernannt. Er bekleidete diesen Posten bis Ende der deutschen Besatzung.
      Die Befehlshaber des Polnischen Untergrundstaates wurden im März 1945 heimtückisch von NKWD festgenommen und in das Moskauer Gefängnis in Lubjanka transportiert.  Unter den Gefangenen waren der Vertreter der Polnischen Regierung im Inland Jan Stanisław Jankowski und der letzte Befehlshaber der Polnischen Heimatarmee General Leopold Okulicki.
      Während eines Schauprozesses, der im Juni 1946 in Moskau stattfand, verurteilte man 16 entführte Befehlshaber des Polnischen Untergrundstaates zur Gefängnisstrafe verurteilt. Drei Angeklagte wurden frei gesprochen. Der General Okulicki (zu 10 Jahren verurteilt) wurde am 24. Dezember 1946 in einem Moskauer Gefängnis ermordet. Jan Stanisław Jankowski starb am 13. März 1953 in einem schweren Gefängnis in Wladimir an  Kljasma.
     Jan Jasiukowicz (Präsident der Nationalpartei) starb am 22. Oktober 1946 in einem Gefängniskrankenhaus in Moskau. Stanisław Pużak (Präsident der Polnischen Sozialistischen Partei) wurde aus dem Gefängnis entlassen und kam nach Polen zurück. Dann wurde er von den polnischen kommunistischen Behörden wieder verhaftet und verurteilt. Er starb in dem Gefängnis in Rawicz am 13. April 1950.

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