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Bericht von Marta Gadomska-Juskowiak


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Dort wartete schon eine Menge Menschen. Es fand eine Selektion statt: es wurden Frauen von Männern getrennt. Mütter und Kinder, so - unsere Haushaltshilfe und wir galten als eine Familie. Die Männer wurden in die untere Kirche gebracht. In der Kirche verbrachten wir die Nacht auf dem steinigen Boden. Wir lagen nebeneinander. Die, die früher angekommen waren, hatten noch einige Bretterteile aus den Bänken.
Als Sie dort in der Kirche waren - was für ein Gefühl hatten Sie: dass die Deutschen Sie doch noch erschießen könnten? Oder dass Sie das Schlimmste schon hinter sich hatten?
    
Nein, nein. Es war doch allgemein bekannt, dass die Deutschen die Männer erschossen. Wir wussten nicht, was mit uns passieren sollte. Ich weiß, dass wir beteten und sangen. Noch in der Kolonne sangen wir, als wir durch die Straßen Leszno und Wolska gingen. Die Deutschen reagierten nicht. Am nächsten Tag fand wieder eine Selektion statt, aber wir gingen zusammen durch. Ich weiß jetzt nicht mehr, welche Straße das war, aber wir gingen zum Dworzec Zachodni [Westbahnhof], zu den Zügen. Das war eine Landstraße, ein Pfad durch Wiesen, es gab keine Häuser dort. Die Deutschen stellten einen Stand auf, in Körben hatten sie geschnittenes Brot - ein Laib Brot jeweils in vier Teile geteilt, hart gekochte Eier. Sie stellten Kameras auf und filmten uns. Jeder nahm ein Stück Brot, die Kinder bekamen jeweils ein Ei. Offensichtlich war das eine Filmchronik.
Das war ein Propagandafilm.
    
Sie zwängten uns in diesen Zug hinein. Ich kann mich daran nicht mehr erinnern, aber es kann sein, dass es diese Bahn war, diese übliche, die die Stracke Westbahnhof - Pruszków befuhr. Sie fuhr bis nach Pruszków, hielt direkt an den Hallen an. Ich weiß noch, dass dort Kanäle waren, alles voll von Schmutz und Gestank, Schlamm und menschlichen Exkrementen. Ich kann mich daran nicht erinnern, wie lange wir dort waren: ein, zwei, drei Tage? An das alles kann ich mich nur verschwommen erinnern.
Erinnern Sie sich noch daran, was Sie in Pruszków gegessen haben?
    
Wir aßen irgendwelche Suppe, die wir von RGO [Zentraler Hilferat - Anmerk. d. Übers] bekommen haben. In Pruszków wurden wir in Viehwagen gezwängt, in denen trockener Dung auf dem Boden lag - gut, dass er nicht frisch war. Es war so eng dort, dass man in der Nacht kaum liegen konnte.

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